Rod StewartRod Stewarts Opus Magnum als 140g-Vinyl-Ausgabe.

Zwei exquisite Soloalben lagen 1971 schon hinter Rod Stewart, der sich als 26-Jähriger bereits einen Namen als Sänger mit schwarz angehauchter Kratzstimme erspielt hatte. Zum einen in der Jeff Beck Group, vor allem aber in der trinkfesten Nachfolgetruppe der von Steve Marriott verwaisten (Small) Faces. Als sich Stewart – zum ersten Mal auch in der Funktion als Produzent – an die Konzeption seines dritten Solowerks machte, sahen die Vorzeichen zunächst wie gewohnt aus: ein halbes Dutzend handverlesener Coverversionen, darunter Bob Dylans ›To-morrow Is A Long Time‹, Tim Hardins ›Reason To Believe‹, Arthur Crudups ›That’s All Right (Mama)‹ und die Tour de force ›(I Know) I’m Losing You‹ von den Temptations, gekoppelt mit neu-em Material. Vor allem vom Titelsong ›Every Picture Tells A Story‹, ein in Co-Autorenschaft mit Ronnie Wood verfasster Rocker im Duett mit Maggie Bell, sowie von seiner Ballade ›Mandolin Wind‹ versprach sich Stewart viel. Im Studio halfen wie immer die Faces sowie befreundete Musiker aus.

Wieder würden die Kritiker voll des Lobes sein für seine signifikante Stimme, authentische Songauswahl, rustikale Produktion – doch weit kommen würde er damit wohl kaum. Es kam anders als gedacht: Im Gespann mit seinem Kumpel Martin Quinttenton, einem klassisch geschulten Gitarristen, lieferte Stewart auch noch die Fünf-Minuten-Nummer ›Maggie May‹. Nichts Besonderes, dachte er noch, und gab der Plattenfirma sein Okay, den Folk-Rock-Song auf der Single-B-Seite von ›Reason To Believe‹ zu verstecken. Doch gleich mehrere wichtige britische Radio-DJs drehten die Scheibe einfach um, weil ihnen das Mandolinensolo von Lindisfarne-Sänger Ray Jackson so gefiel – wenige Wochen später platzierte sich Stewarts bittersüße Liebesgeschichte um einen jungen Typen und eine wesentlich ältere Frau erst auf Platz eins in England, dann in den USA. Das gleiche Schicksal war auch EVERY PICTURE TELLS A STORY beschieden. Der Rest ist Pop-Geschichte.