gallagher, roryHemdsärmel aufgekrempelt: authentischer Bluesrock-Purismus aus Irland.

Irlands trinkfester Gitarren-virtuose machte 1971 als Solist prinzipiell da weiter, wo er nach zwei Studioalben und zwei Live-Mitschnitten mit dem Trio Taste aufgehört hatte: RORY GALLAGHER zündet im Ope-ner ›Laundromat‹ ein Boogie-Rock-Feuerwerk, legt noch einen Gang zu in ›Hands Up‹ und ›Sinner Boy‹. Doch die restlichen sieben Tracks, die Gallagher in wenigen Wochen im April 1971 mit Gerry McAvoy am Bass und Wilgar Campbell am Schlagzeug einspielt, strahlen subtil: Atmosphärischer Jazz-Rock in ›Can’t Believe It’s True‹, rustikaler Blues in ›Wave Myself Goodbye‹ mit Vincent Crane am Piano und die Country-Ode ›It’s You‹. Im gleichen Jahr noch unterstreicht Gallagher seinen Ausnahme-ruf durch DEUCE: Mit ›I’m Not Awake‹ gelingt eine infektiöse Akustikballade, tief im Blue-grass wühlt ›Don’t Know Where I’m Going‹ – und Speed-Boogie verabreicht ›In Your Town‹ mit heftiger Slide-Gitarren-Verzierung.

Mit LIVE IN EUROPE! liefert der geerdete Ire, der in jener Ära auch diverse Male im Bremer Beat Club gastiert, einen europaweiten Bestseller, der sich bei Lehrlingen und Angestellten ebenso auf den Plat-tentellern dreht wie bei Abitu-rienten und Studenten. Zum absoluten Favoriten avanciert der im Stampfrhythmus intonierte Mandolinen-Blues ›Going To My Hometown‹. Weite-re Höhepunkte finden sich mit ›I Could’ve Had Religion‹, ›Pi- stol Slapper Blues‹ und ›Hoo-doo Man‹. In veränderter Besetzung mit Pianist Lou Martin und Schlagzeuger Rod de’Ath entsteht 1973 das facettenreichere BLUEPRINT: ›Race The Breeze‹ beschwört Rockabilly-Wurzeln, ›Walk On Hot Coals‹ rockt vehement und ›Daughter Of The Everglades‹ setzt gar auf ein Cembalo. Zukünftige Finanzkrisen nimmt der harsche ›Banker’s Blues‹ vorweg.

Ganz schön dreckig rockt wiederum das mitunter mit Blechbläsern versetzte TAT-TOO: ›Cradle Rock‹ swingt im Bo-Diddley-Rhythmus, ›Who’s That Coming‹ beschwört die britischen Blues-Pioniere Ale-xis Korner und John Mayall. Kopflastigen Jazz liefert ›They Don’t Make Them Like You Anymore‹. Eine weitere Kost-probe von Rory Gallaghers fulminanten Konzertaktivitäten offeriert IRISH TOUR ’74: Von Regisseur Tony Palmer auch als Filmdokument festgehalten, dient das einstige Doppel-LP-Werk vor allem als lebendiger Streifzug durchs Repertoire vier vorangegangener Studioalben.

RORY GALLAGHER: 8
DEUCE: 9
LIVE IN EUROPE!: 10
BLUEPRINT: 8
TATTOO: 8
IRISH TOUR ’74: 8