Shadow Theory 2010bArbeitslos und glücklich dabei: Devon Graves alias Buddy Lackey steht ein heißes Jahr 2011 bevor mit den reunierten Psychotic Waltz und seinem neuen Projekt THE SHADOW THEORY.

ugegeben: Das Timing ist nicht optimal. Vier Jahre werkelte Devon Graves an BEHIND THE BLACK VEIL, dem Debüt von The Shadow Theory – und einem potenziellen Klassiker des modernden, hochatmosphärischen und genre-übergreifenden Prog. Und dann das: Psycho-tic Waltz, als deren Sänger er sich einst Ruhm ersang, 1997 aufgelöst, kommen im alten Line-up wieder zu-sammen, 2011 auf große Reunion-Tour, und ein neues Album ist auch in Planung. „Es passiert tatsächlich im Moment etwas mehr, als ich zuletzt gewohnt bin“, lacht der gut gelaunte, in Wien ansässige US-Amerikaner. „Und ich muss leider all denen, die gerade jetzt auf The Shadow Theory abfahren, mitteilen, dass das nächste Jahr wohl ganz Psychotic Waltz gehört. Wir haben diverse Shows und Festivals gebucht, müssen proben – das hat Priorität. Aber 2012 will ich The Shadow Theory pushen und kann jetzt schon versprechen, dass das Debüt keine Eintagsfliege bleibt: Wir haben schon vier neue Songs.“

Gut zu wissen, und verübeln will man es Mr. Graves auch nicht – schließlich verspricht das neu gewachsene Interesse an den US-Prog-Metal-Veteranen auch frischen Nachschub auf dem Bankkonto. Nicht, dass er pleite wäre, aber: „Mit meiner alten Band Deadsoul Tribe hatte ich mich gut eingerichtet“, gesteht er. „Ein festes Gehalt meiner Plattenfirma, Musik als Beruf, also alles, von dem man als Kid immer träumt. Aber als dann meine Plattenfirma in Schwierigkeiten kam und das Arrangement kündigen musste, merkte ich doch, wie gut mir das tat. Denn es ist ein Unterschied, ob man Songs schreibt, weil man dafür bezahlt wird – oder weil man es will!“

Wie so oft führte eine kleine (oder zugegebenermaßen nicht ganz so kleine) Änderung zur Umkrempelung des Lebens: Das, was einst eher eine vage Idee wurde, nahm in Form von The Shadow Theory konkrete Formen an. „Ich hatte auf den Deadsoul-Tribe-Touren ständig brillante Musiker getroffen und immer wieder mit dem Gedanken gespielt, mal mit den Besten der Besten was zu machen“, erinnert er sich. Der Beste der Besten, derjenige, der das Ganze wirklich ins Rollen brachte, war jedoch ein Unbekannter: Demi Scott, ein Keyboarder aus Griechenland, der ihn als Fan per E-Mail kontaktierte. „Sein Material war grandios – und seine Motivation riss uns alle mit.“

Alle, aber vor allem Devon. Sobald die ersten Songs standen, packte ihn der in diesem Genre unverzichtbare Größenwahn. Oder, wie er es sagt: „Ich wollte raus aus meinem alten Schema. Daraus entstand die Idee, ein Konzeptalbum über eine Horrorstory zu machen, über eine nicht endende Verkettung von Albträumen, an deren Ende die Frage steht: Gibt es überhaupt eine Realität?“ Das Album steht, es ist großartig – was kommt jetzt, oder 2012? „Ich möchte, dass The Shadow Theory sehr cineastisch rüberkommt, mit dem Flow von Filmmusik, aber verwurzelt im Metal.“