Shaking GodspeedRetro. Aber irgendwie auch nicht.

Zugegeben: Die Formulierung „moderner Retro-Sound“ klingt so absurd wie „heiteres Trauerspiel“ oder „brillanter Soap-Darsteller“, doch was die Band aus dem niederländischen Nijmegen auf WELCOME BACK WOLF präsentiert, hebt den scheinbaren Widerspruch elegant auf. Der Sound ist retro, da klingen E-Gitarren noch wie E-Gitarren und nicht wie Güterzüge, die am Tag der Apokalypse ungebremst aufeinanderprallen. Doch was Sänger und Saitenkünstler Wout Kemkens und seine Mitstreiter zwölf Songs lang durchkonstruiert haben, ist eben keine Musik, die man zielgerichtet irgendwelchen 30, 40 Jahre alten Vorbildern zuordnen kann. Kunstvoll ist das Ganze, die Arrangements sind selten vorhersehbar und häufig gewürzt mit dezenten Prog-Anklängen, orientalischen Harmonien und abwechslungsreichen, auch mal komplexeren Rhythmen. Spontane Asso-ziation: Eine Pub-Rock-Band, die von Bier auf irgendwas Aufputschendes umgestiegen ist und jetzt mutig versucht, Dick Dale mit Jane’s Addiction zu vermählen, Psychedelic mit Indie-Rock, unprätentiöse, geradlinige Garagen-Sounds mit hübsch abgefahrenen Breaks, rockige Bodenständigkeit mit leichter Hysterie. Was zugegebenermaßen noch widersprüchlicher klingt, der ausgewiesenen Eigenständigkeit, emotionalen Viel-schichtigkeit und kreativen Raffinesse von Shaking Godspeed aber auch ein großes Kompliment ausspricht.