Gitarrist Dave „The Snake“ Sabo ist die Gelassenheit in Person. Nach alleine fünf Millionen in den USA verkauften Einheiten von SKID ROW, einem #1 Album mit SLAVE TO THE GRIND und einem Platz auf dem ewigen Hard Rock Olymp blickt Dave zusammen mit Classic Rock zurück auf den Aufstieg von Skid Row, das Zerwürfnis mit Sebastian Bach und in die Zukunft, die auf den Namen UNITED WORLD REBELLION – CHAPTER ONE hört…

Skid Row 2013Dave, wer hat dir den Spitznamen „The Snake“ verpasst?
Oh mein Gott! Den hat mir Jon Bon Jovi auf‘s Auge gedrückt. Es war Sommer und wir hingen an unserer Schule rum und spielten Basketball. Aus meinem Trikot hing dieses wirklich lange, hässliche Brusthaar heraus. Jon sagte: „Schneid das Ding ab, es sieht aus wie eine Schlange!“ Ich erwiderte nur: „Fick dich! Daran sieht man, dass ich ein Mann werde!“ Jeden darauffolgenden Tag, an dem Jon das Haar sah und ich es wider seiner Erwartung nicht abschnitt, rief er mir zu: „Was ist los SNAKE?“ Tja, so wurde ich zu Dave „The Snake“ Sabo…(lacht)

In diesem Sommer veränderte auch eine 40$ Gitarre für immer dein Leben…
Hier muss ich etwas weiter ausholen: im Dezember 1977 sah ich KISS im Madison Square Garden in New York. Bis zu diesem Zeitpunkt spielte ich nur Baseball oder machte solches Zeug, was man heutzutage als „Nerd“ treibt, obwohl ich in einem Haus voll von Musik aufwuchs. Meine vier älteren Brüder hörten alles von Elvis über die Beach Boys bis hin zu Black Sabbath und Led Zeppelin. Bis zu dieser besagten KISS Show hatte ich nicht den blassesten Schimmer, welchen Einfluss Musik schon mein ganzes Leben auf mich ausgeübt hatte. Als ich aus New York zurückkam, gab ich den Sport sofort und verschrieb mich dem Rock‘n‘Roll. Allerdings dauerte es noch gut ein Jahr, bis ich auf den Trichter kam, dass die Gitarre mein Instrument ist. Mein Glück war, dass sich einer meiner Brüder eine echt billige Akustikgitarre kaufte und extrem schnell das Interesse an der Sechssaitigen verlor. Das war meine Chance! Damals war ich 14 1/2 Jahre und konnte endlich etwas tun, wozu mein Bruder nicht oder besser gesagt nicht mehr in der Lage war! Als ich sie das erste mal in meinen Händen hielt, ließ ich sie nie wieder los. (lacht)

Ein paar Jahre nach diesem Schlüsselerlebnis wurdest du der erste Gitarrist von Bon Jovi…
Oh, diese Geschichte ist verdammt interessant! Wir kannten uns nämlich schon seit meinem neunten Lebensjahr. Wie es so ist, kennt man die Kids in seiner Nachbarschaft – gerade wenn man aus so einem Kaff kommt. Als es dann für Jon an der Zeit war eine Band zusammenzustellen – und wir reden hier noch lange nicht von der Band, die jetzt die ganze Welt als Bon Jovi kennt – da er gerade einen Radiowettbewerb mit ›Runaway‹ gewann und in Folge dessen einige Gigs für den Sender spielen durfte, hatte er keinerlei Bandkollegen, da alles was man außer Jon auf diesem Song hört, Studiomusiker waren. Er fragte mich, da ich schon damals ein guter Networker war, ob ich nicht mit ihm eine Gruppe zusammenstellen könnte. Er kannte David Bryan von der High School und Tico Torres, ich trieb mich öfters mit einem Bassisten namens Alec John Such in Bars rum, in denen wir spielten und siehe da: Wir hatten eine Band!

Der Historie nach hast du nach nur acht Shows Bon Jovi aus freien Stücken wieder verlassen…
Eigentlich war es bei meinem Einstieg schon für Jon und mich klar, dass wir nur für einen gewissen Zeitraum zusammenarbeiten. Ich sah mich mehr als den New Wave Of British Heavy Metal Typ und JBJ liebte von jeher Mainstream Rock. Wir sind Freunde und ich half ihm aus. Nicht mehr und nicht weniger.

Nach der Trennung verdientest du deine Saiten als Gitarrenverkäufer im Garden State Music Store. Dort lief dir ein gewisser Rachel Bolan über den Weg…
Der Laden war ungefähr eine Autostunde von Sayreville entfernt. Ich nahm diese Stelle deswegen an, da ich es satt hatte, nur wegen meiner langen Haaren keinen coolen Job zu bekommen. Als eines Tages Rachel ins Geschäft stiefelte, dachte ich nur: „Wow! Der Typ sieht aus wie ein Rockstar!“ Zum Glück war ich nie schüchtern und so quatschte ich ihn an. Es stellte sich heraus, dass er Bassist in einer Band war. Jedes mal, wenn Bolan wieder etwas kaufte, redeten wir etwas mehr miteinander. Irgendwann kamen wir an den Punkt, an dem Rachel und ich beschlossen gemeinsam zu rocken. Seit dieser Entscheidung, die unser Leben veränderte, sind wir zusammen bei Skid Row, wurden Songwritingpartner und obendrein die besten Freunde.

1987 stand das inzwischen legendäre SKID ROW Line Up und ein Deal mit Jon Bon Jovi aus euerer Jugend verhalf deiner Band zum wichtigsten Schritt eurer Karriere…
Oh, ich kannte Doc seit meinem neuzehnten Lebensjahr, da Jon mich ihm vorgestellt hatte. Bevor ich ihn zum ersten mal traf, wusste ich allerdings schon alles über ihn, da mich schon von jeher die Businessseite des Musikgeschäfts interessierte. Als es endlich soweit war, sagte ich McGhee sofort: „Du musst mich unbedingt eines Tages managen!“…und so passierte es – der große Doc McGhee war also UNSER Manager und zog für Skid Row kurze Zeit später den Deal mit Atlantic Records an Land.

Daraus resultierte euer Studioaufenthalt in Lage Geneva, Wisconsin mit einem Deutschen namens Michael Wagener (Produzent für u.A. Ozzy Osbourne – Anm.d.A.)…
Um ganz ehrlich zu sein: Wir waren ein Haufen naiver Kids und so verdammt dankbar für diese Chance. Um es noch mal zu wiederholen: Ein paar Grünschnäbel aus einem Kaff in New Jersey werden von Doc McGhee gemanagt, daraufhin von Atlantic Records gesignt und nehmen ein Album mit dem großen Michael Wagener auf – das war wirklich alles so surreal für uns. Ich glaube, deswegen legten wir eine Arbeitsmoral an den Tag, wie wir sie noch nie zuvor gezeigt hatten. Alle waren so wild entschlossen, das Allerbeste aus uns herauszuholen, was möglich war. Ich erinnere mich noch genau daran, als meine Band das Studio verließ und wusste, dass jedes Gramm, das wir an Kreativität, Arbeitswillen und Hingabe hatten, in dieser Scheibe gelandet war! Mehr konnten wir nicht tun! Ab diesem Zeitpunkt lagen die Geschicke von SKID ROW in anderer Leute Hände…

Sieben Monate nach dem Release ging es für euch nach Russland zum Moscow Music Peace Festival – einem der legendärsten Events der Rock-Geschichte…
Wow! Stell dir mal vor, du bist 24 und dein Manager stellt das größte Hard Rock Konzert der ganzen Ära zusammen. Die Wahrheit ist – und hier rede ich wirklich nicht um den heißen Brei herum -, dass ich bis heute nicht weiß, was Doc damals eigentlich verbrach. Er wahr wohl in eine illegale Sache verwickelt, in die er durch den Freund eines Freundes hineingeschliddert war. Jedenfalls hatte er die gerichtliche Auflage, eine Wohltätigkeitsveranstaltung für die „Make A Wish Foundation“ zu veranstalten. Für uns war das natürlich absolut spitze, denn wir bekamen so die einmalige Chance, während der Kalte Krieg noch lief, im Lenin Stadion in Moskau aufzutreten. Ich erinnere mich noch genau daran, als vor unseren Augen das Olympische Feuer entflammte und wir auf die Bühne gingen. Das war ein einzigartiges Erlebnis in meinem Leben. Als „Bonus“ konnte ich mir die anderen Bands – zu denen ich aufschaute – live ansehen. Für mich war es eine lebensverändernde Erfahrung. Ein Festival dieser Art wird es wegen der aktuellen Umstände nie mehr geben!

Für viele war das Moscow Music Peace Festival auch eines der Ereignisse, die den eisernen Vorhang zum Fallen brachten…
Das kann ich so nur unterschreiben! Damit endete für mich der Kalte Krieg. Man kann ja viel über den Fall der Mauer diskutieren, aber diese zwei Tage in Moskau waren der Anfang vom Ende des Kalten Krieges!

Direkt nach Moskau ging es für euch auf die „New Jersey Syndicate Tour“ mit euren Freunden von Bon Jovi…
Nun, wie soll ich es beschreiben: Skid Row waren an einem Punkt angelangt, an dem wir ein Leben lebten, von dem man im Normalfall nur träumt. Ich dachte dabei immer an diesen sechzehnjährigen Jungen, der vor dem Spiegel steht, mit einer Gitarre post und sich vorstellt, er sei Paul Stanley, Eddie Van Halen, Michael Schenker oder Randy Rhodes. Das ist die Essenz des Ganzen. Nur weil man berühmt ist, sollte man diese Augenblicke und die Millionen Kids da draußen, die die selben Träume haben, nie vergessen. Ich bin immer noch der Junge vor dem Spiegel und werde es auch immer bleiben! Die Chance, die uns Jon damals gab, rechne ich ihm immer noch hoch an, denn wer hat schon auf seiner ersten richtigen Konzertreise die Möglichkeit, jeden Abend vor 15.000 – 20.000 Leuten zu spielen und gleichzeitig auf der erfolgreichsten Tour des Jahres dabei sein zu dürfen. Das beste Erlebnis dieser Tour war, wie du es schon angesprochen hast, die Tatsachen, das wir eben mit Freunden unterwegs waren – wie viel mehr kann man eigentlich verlangen?!

Nach diesem Raketenritt stand der nächste Studioaufenthalt auf dem Programm: Projektname SLAVE TO THE GRIND – eurem #1 Album in den Billboard 200, welches mit einem deutlich härteren Sound als SKID ROW um die Ecke bog…
Dieser Funken mehr Härte kam durch die knapp zwei Jahre im Rock‘n‘Roll Business! Das Leben ist überall hart, in diesem Geschäft ganz besonders! Der große Unterschied zu SKID ROW war, dass diese Scheibe von ein paar Typen aus einer Kleinstadt geschrieben wurde, die von der Welt noch nichts gesehen hatten. SLAVE TO THE GRIND hingegen wurde von einer Band komponiert, die die Welt ein paar mal umrundete. Wir sahen dabei so viele schöne, hässliche und schmutzige Dinge, trafen verschiedenste Kulturen, lebten nur noch aus Koffern und Freundschaften, Beziehungen und sogar Ehen kamen und gingen. Das verändert dich! Das war unsere Inspiration für SLAVE TO THE GRIND!

SnakeDer Zirkus um euch steigerte sich durch diese Platte mit einem Fingerschnips…
Oh verdammt ja! Die Zeit um diese Scheibe herum bescherte mir mehr schlaflose Nächte als meine gesamte restliche professionelle Laufbahn! Das waren 20 konstante Monate auf der Straße! Wir gingen durch alle emotionalen und zwischenmenschlichen Höhen und Tiefen, die man sich vorstellen kann! Erinnere dich mal an so einen Zeitabschnitt in deinem Leben und nimm ihn mal 1000 – das war unser Leben in den Tagen von SLAVE TO THE GRIND.

Das hört man ohne Zweifel auf eurem dritten Streich SUBHUMAN RACE…
Wenn ich ganz ehrlich sein soll: Ich bin immer noch erstaunt, dass diese Platte überhaupt das Licht der Welt erblickte. Es gab so massiven Streit innerhalb der Band. Es fällt mir echt schwer, das in einigermaßen sachlichen Worten zu beschreiben! Ich bin immer noch dankbar, dass wir diese Scheibe tatsächlich herausbrachten, denn auf ihr ist verdammt cooler Scheiß!

Also war der Ursprung der Trennung von Sebastian Bach in diesem Studioaufenthalt zu finden. Habt ihr ihn tatsächlich gefeuert?
Nun, ich würde dafür jetzt nicht unbedingt dieses Wort verwenden. Er rief mich Weihnachten 1996 an und legte solch eine Boshaftigkeit an den Tag, dass es mir immer noch schwer fällt, darüber zu reden. Er war so hasserfüllt und ließ seine Wut nicht nur in diesem Gespräch an mir aus, sondern auch an Rachel, dem Rest der Band und unserem Management. Das war pures Gift für Skid Row. Kurze Zeit später sprach er mir eine Nachricht auf den Anrufbeantworter, die so derart heftig war, dass ich mich schluckend erst einmal hinsetzen musste, um darüber nachzudenken, was ich da gerade eigentlich gehört hatte. Nach ein paar Tagen hinterließ ich ihm auch eine Nachricht: „Mit dir werde ich NIE wieder in einer Band spielen!“ Zum Glück gehört Rachel und mir der Markenname Skid Row… Bach war also raus. In der Retrospektive betrachtet, war es einfach an der Zeit, nach vorn zu schauen und es zu beenden, da es mit ihm wirklich keinen Spaß mehr machte. Weder zusammen im Proberaum, im Studio noch auf der Bühne. Für unsere Fans ist diese zwischenmenschliche Tragödie sicherlich schwer nachzuvollziehen, aber Leute werden jeden Tag aus ihren Jobs entlassen oder Ehen geschieden – uns ist es so mit Sebastian passiert, da es einfach nicht mehr ging und alle anderen schlussendlich kaputt gemacht hätte! Ich wünsche ihm aber nach wie vor das Beste, denn auch Bach hat eine Familie zu ernähren und es ist genug Platz da draußen für Skid Row und Sebastian Bach.

Lass uns nach diesem traurigen Kapitel in deiner Karriere über fünf tolle Songs sprechen, die auf den Namen UNITED WORLD REBELLION – CHAPTER ONE hören. Dem ersten Teil eines 3 CD Sets, das in den nächsten Tagen erscheint…
Da der alte Weg Musik zu veröffentlichen nicht mehr funktioniert, entschieden wir uns, den Leuten unsere neuen Songs in kleineren Häppchen zugänglich zu machen. Wir reagieren dabei auf die allgemeine Verdrossenheit der Fans, die beispielsweise nur fünf Songs einer Platte gut finden und am Rest nicht interessiert sind. Deswegen dachten wir uns, dass drei Minialben mit Krachern, verteilt über einen Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten und einer konstanten Tournee, wesentlich cooler für unsere Anhänger sind. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir die Preise für neue Musik niedrig halten und wir immer etwas Frisches am Start haben.

Und die Stücke auf UNITED WORLD REBELLION – CHAPTER ONE sind – ohne den berühmten Honigtopf hervorzukramen – eure besten Songs seit SUBHUMAN RACE!
Oh Mann, nachdem wir für REVOLUTION PER MINUTE einige heftige Kritiken einstecken mussten, geht mir das wirklich runter wie Öl! Mich freut es, dass unsere neue Arbeitsweise – einfach wie früher die Songs im Studio einzuhämmern – so gut ankommt. Dabei haben wir uns als Individuen und als Band wiederentdeckt. Skid Row waren urplötzlich wieder diese Kids, die mit 16 posend vor dem Spiegel standen und so gut sein wollten wie ihre Helden! Damit vertrieben wir die ganzen negativen Schwingungen, die uns daran gehindert hatten, großartige Songs zu schreiben. Darüber hinaus gab es keine Deadlines mit Plattenfirmen und auch keine A&R-Leute, die uns vorschreiben wollten, wie wir zu klingen haben. Hier ging es nur um Rachel und mich, zusammen in einem Raum, bewaffnet mit Gitarren! Das brachte uns dahin zurück, wo wir jetzt stehen: Wir sind wieder Skid Row!