steveMiller1-09-HRSiebzehn Jahre sind eine lange Zeit. Bill Clinton war damals gerade US-Präsident geworden. Eine Ewigkeit also. So viele Jahre hat es gedauert, bis Steve Miller sich dazu aufgerafft hat, ein neues Album zu veröffentlichen. Nun ist es soweit. Doch wer gedacht hätte, dass sich in dieser Zeitspanne Hundert Eigenkompositionen angesammelt haben müssten, die Miller nun mit seiner Band zum Besten gibt, der sieht sich enttäuscht. BINGO!, so der Titel der Werks, enthält Coverversionen. Songs wie zum Beispiel B.B. Kings ›Rock Me Baby‹ oder ›You Got Me Dizzy‹ von Jimmy Reed.

Dabei ist es keineswegs so, dass Steve Miller das Komponieren verlernt hätte oder schlicht keine Lust mehr darauf hat. Nein, er wollte schlicht und ergreifend eine Platte machen, „zu der man feiern kann. Ein Partyalbum eben!“, erklärt der 66-Jährige. Erinnerungen an seine eigene Jugend spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Beim Einspielen der Lieder hat er daran ge-dacht, wie es damals war, als er noch auf College ging und die Mädchen und die Musik denselben Stellenwert hatten. BINGO! ist für Miller, der das Gitarrenspiel von Les Paul erlernt hat, daher ein wahr gewordener Traum. Ein sehr persönlicher Rückblick, wie er betont: „Ich habe nur Songs gewählt, die mir etwas bedeuten.“

Und weil es davon etliche gibt, wird BINGO! nicht das einzige Werk seiner Art bleiben. Im Frühjahr 2011 soll ein weiteres Album erscheinen, unter anderem mit ›Sweet Home Chicago‹ von Robert Johnson, Muddy Waters‘ ›Can’t Be Satisfied‹ oder ›The Walk‹ von Jimmy McCracklin. Wie auch das aktuelle Werk erscheint es bei Space Cowboy Records, seiner eigenen Firma, lediglich der Vertrieb erfolgt über etablierte Kanäle. Insgesamt hat die Steve Miller Band in George Lucas‘ Skywalker Ranch-Studio 42 Songs eingespielt. Das Material ist bereits komplett im Kasten, es bleiben für den BINGO!-Nachfolger also noch 32 Tracks zur Auswahl, bei denen nur noch der Feinschliff aussteht.

Die Idee zu dem Projekt trägt Miller zwar schon „seit einer Ewigkeit“ mit sich herum, doch konkrete Pläne gab es erst im Zuge der DVD-Produktion zu LIVE FROM CHICAGO. Es war Co-Produzent Andy Johns (Rolling Stones, Led Zeppelin), der Steve Miller damals anstachelte, indem er sich ein „Gitarren-Album“ von Miller wünschte. Gesagt, gerockt. Gemeinsam mit dem 2009 verstorbenen Norton Buffalo, Joe Satriani sowie den Santana-Percussionisten Michael Carabello und Jose Areas arrangierte Miller die Stücke nach seinem Gusto um: Die eigene Note des „Joker“ ist daher stets zu hören.

Die Einzigartigkeit von Steve Miller wird sich in Kürze auch wieder live zeigen. Der Bluesrocker geht auf Tour, zunächst in den Staaten, im Herbst aber auch in Europa. Dabei stehen auch zwei Daten im CLASSIC ROCK-Land auf dem Programm. Am 15. Oktober wird Miller in der Düsseldorfer Philipshalle zu sehen sein, einen Tag später rockt er im Hamburger CCH1.

Die Songs von BINGO! hat Miller dann selbstverständlich im Live-Gepäck. Denn – Jugendtraum hin oder her – die Veröffentlichung des Albums hat natürlich auch pragmatische Gründe: „Es macht mehr Spaß, live zu spielen, denn unser Repertoire ist nun deutlich größer geworden“, so der US-Amerikaner. Was natürlich nicht heißt, dass dadurch Hymnen wie ›Abracadabra‹, ›Rock ‚N Me‹, ›Fly Like An Eagle‹, ›Jet Airliner› oder ›The Joker‹ in der Setlist fehlen werden – Miller kündigt nämlich eine satte Zwei-Stunden-Show an.

Und wenn alles glatt läuft, könnte sogar noch mehr passieren in Sachen Steve Miller Band: Der Gitarrist hat nämlich nicht nur reichlich Coverversionen, die er aus dem Ärmel schütteln kann, sondern auch noch über zehn Eigenkompositionen, die fertig geschrieben sind und nur darauf warten, dass der Meister Zeit hat, sie zu betexten. Was hoffentlich nicht erst in 17 Jahren der Fall sein wird… Obwohl: Da Miller zudem ankündigt, dass er nicht nur weiterhin reichlich touren will, sondern auch „mit US-Nachwuchstalenten arbeiten möchte“, ist mit einer Veröffentlichung wohl nicht in allzu naher Zukunft zu rechnen. Aber wer weiß: Jemand wie Steve Miller hat schließlich immer einen Joker im Ärmel…

Mirko Windmüller