Steve_Vai_BlackJacket_086RSmiddleEr hat sich mit Frank Zappa, David Lee Roth oder David Coverdale die Bühne geteilt. Heute zählt er selbst zu den ganz Großen. Deswegen möchte er lieber mit seinem eigenen Namen glänzen als mit einer Supergroup. Mit STORY OF LIGHT geht er seinen eigenen Weg.

Es gibt Dinge im Leben von Steve Vai, die bedürfen offensichtlich keiner Fortsetzung. Als Mitglied der Band von Frank Zappa erfuhr der seinerzeit blutjunge Vai, was es bedeutet, einem genialen Denker und exzentrischen Zeitgenossen folgen zu müssen. Später bei David Lee Roth, der kurz zuvor die amerikanische Startruppe Van Halen verlassen hatte, lernte er das grelle Rockstar-Leben kennen und wie man sich mit einer launischen Diva arrangiert. Diese Lektion konnte er anschließend auch bei Whitesnake gut gebrauchen, denn dort hatte er es nicht nur mit dem Lust & Libido-Vokalisten David Coverdale zu tun, sondern musste allabendlich den Hauptspot der Scheinwerfer auch mit dem holländischen Gitarrenkollegen Adrian Vandenberg teilen. Das Ergebnis: ein wahrer Clash der Titanen, mit großen Gesten, schrillen Klamotten und einem erbitterten Bühnengerangel um Aufmerksamkeit und musikalische Vorherrschaft.

Das alles brauche er heute nicht mehr, erklärt Vai und erteilt damit jeglichen Gerüchten eine Absage, er wolle demnächst – Joe Satriani und Chickenfoot haben es vorgemacht – seine bisherigen Soloambitionen um eine Allstar-Truppe erweitern. „Der Unterschied zwischen Joe und mir ist: Ich hatte das alles bereits, die ganz große Showbühne mit Zappa, Roth und Whitesnake. Joe dagegen war bislang überwiegend Solokünstler und hat sich mit Chickenfoot einen Traum erfüllt. Toll für ihn, aber für mich sind heute andere Dinge entscheidend.“

Zum Beispiel künstlerische Vielfalt und die Möglichkeit, hemmungslos zu experimentieren. „Ich war immer schon fasziniert von guten Kompositionen“, erklärt er, „ich schrieb bereits kleinere Werke, bevor ich überhaupt Gitarre spielen konnte.“ Sein neuestes Soloalbum THE STORY OF LIGHT, das auf seinem eigenen Label Favored Nations erscheint, ist voll mit dem, was für Vai echte Kompositionen ausmacht. „Mein Stil ist etwas bizarr, ich weiß das“, gibt er unumwunden zu und umreißt die Parameter des typischen Vai-Sounds mit „kein Mainstream, sondern eine Mischung aus Rock, Blues, Jazz und Klassik. Mir ist wichtig, dass die Leute sagen: ,Dieser Song klingt wie Steves Art, Blues zu spielen. Oder Rock. Oder Jazz. Egal welche Richtung er einschlägt, aber es ist immer typisch Steve Vai.‘“

Bei zwei Nummern auf THE STORY OF LIGHT stellt sich der Gitarrenvirtuose dennoch ins zweite Glied: Die Nummer ›John The Revelator‹ wur-de von der „The Voice“-Finalistin Beverly McClellan eingesungen, die Vai bei einer Veranstaltung der amerikanischen Musikindustrie-Organisation NARAS kennenlernte. Text, Melodie und Gesang zum Song ›No More Amsterdam‹ wiederum stammen von Aimee Mann. Mann und Vai kennen sich seit Jahren: „Aimee ist eine gute Freundin meiner Ehefrau, die zwei haben zusammen studiert und im Studentenwohnheim Tür an Tür gewohnt. Als ich bei einem Song, für den ich Gesang vorgesehen hatte, nicht so recht weiter kam, schlug meine Frau vor, Aimee anzurufen und sie um Hilfe zu bitten. Es war die goldrichtige Idee.“

THE STORY OF LIGHT ist also eine Art Zwitter, mit überwiegend instrumentalen Werken und wenigen Gesangsnummern, eine davon übrigens von Vai selbst eingesungen. „Der jeweilige Song gibt vor, welcher Sänger zu ihm passt“, behauptet der 52-Jährige, „als Komponist hat man letztendlich kaum Einfluss darauf.“ Schwer vorzustellen, außer man pflegt einen Hang zum Spirituellen. Und den besitzt Vai ohne Zweifel: „Ohne meine metaphysische Ader wäre ich als Künstler sicherlich kaum existent“, erklärt er – und erinnert damit indirekt an das Motto eines seiner bekanntesten Songs: ›For The Love Of God‹.