subsignal_band_2013_jutta_leiske

Zwei Jahre nach TOUCHSTONES präsentieren Subsignal wieder neues Material und zeigen sich auf PARAÍSO so vielseitig wie noch nie.

Den Vergleich zu Yes hören sie nicht gerne, indes: Wer dem neuen Album PARAÍSO der deutschen Band Subsignal lauscht, wird fast automatisch an 90125 erinnert, den Yes-Klassiker des Jahres 1983. Der Satzgesang, die hohe Stimme, die wunderbaren Sounds, die Mischung aus Prog, Pop und Rock – die britische Legende scheint, wenn auch unbewusst, an so mancher Stelle Pate gestanden zu haben. „Wir alle sind keine besonders großen Yes-Fans“, widerspricht Gitarrist Markus Steffen diesem Vergleich energisch. „Natürlich sind Yes eine tolle Band, aber wir waren nie Fans. Und schon gar nicht Arno, der die Verweise auf Jon Anderson nicht gerne hört. Aber die Satzgesänge rufen diese Assoziationen natürlich immer wieder hervor. Diese Parallelen sind durchaus vorhanden, beruhen aber vielmehr auf Arnos Vorliebe für AOR-Musik. Seine Helden sind Leute wie John Farnham oder auch Steve Walsh von Kansas.“

Besagter Arno Menses ist Sänger bei Subsignal und teilt sich Bühne, Studio und Proberaum mit Steffen seit den Tagen ihrer gemeinsamen Band Sieges Even. 1986 entstand eine der ersten wirklich wichtigen Prog Rock-Formationen der Post-NDW-Ära. Steffen und Menses waren die federführenden Musiker, die sich ab 2007 jedoch zunehmend stärker auf ihr Nebenprojekt Subsignal konzentrierten. Seit fünf Jahren ist Schluss mit Sieges Even, seither haben Subsignal den Projektcharakter endgültig verloren und den einer echten Band gewonnen, zumal diese Gruppe häufiger als früher auch auf der Bühne stattfindet: „Wir lieben es, auf Tour zu sein. Studio und Livespielen sind für uns gleich wichtig“, erklärt Steffen. „Wir haben ja schon viele Konzerte hinter uns, sowohl als Headliner als auch als Support. Ich denke, dass wir im Laufe der Jahre auf der Bühne zu einer richtig guten Einheit geworden sind, das heißt: Wir verstehen uns blind und jeder vertraut dem anderen. Und mittlerweile sieht es auch hinsichtlich der Zuschauerzahlen richtig gut aus.“

Ihr neues Album heißt PARAÍSO und ist ein Paradebeispiel des guten Geschmacks, mit griffigen Songs, tadellosem Sound und so mancher Überraschung. Eine davon heißt Marcela Bovio, sang bei Ayreon und Stream Of Passion und setzt in der Nummer ›The Blueprint Of A Winter‹ frische Farbpunkte. Steffen: „Ich bin mit Marcela über Facebook befreundet. Als die Frage aufkam, welche weibliche Stimme zu dem Song passen könnte, war es naheliegend, sie einmal zu fragen und ihr das Stück zu präsentieren. Marcela hat sofort zugesagt.“

Die Arbeit ging zeitgemäß und völlig problemlos über die Bühne: Subsignal schickten Bovio den Track via Internet, und die Mexikanerin realisierte ihre Gesangsaufnahmen zu Hause in ihrer Wahlheimat Holland. Moderne Cyberspace-Kommunikation also, trotzdem hoffen Subsignal auf eine lebendige Zusammenarbeit mit der Südamerikanerin: „Vielleicht schaffen wir es einmal, den Song zusammen mit ihr in einem Konzert zu spielen.“
Auch ohne direkten Kontakt zu ihrer Gastmusikerin sind Subsignal dennoch mächtig stolz auf PARAÍSO: „Ich würde sagen, dass dies unser bisher kompaktestes Album ist“, behauptet Steffen. „Abgesehen von der Gesamtlänge – wir wollten dieses Mal definitiv unter einer Stunde Spielzeit bleiben – war dies allerdings nicht unbedingt geplant. Das Songwriting entwickelt bei uns meist eine schwer kontrollierbare Eigendynamik, und irgendwie wurden die Songs auf PARAÍSO kürzer als die auf TOUCHSTONES. Innerhalb der Tracks passiert dieses Mal jedoch viel mehr, alles gleichzeitig und auf unterschiedlichen Ebenen.“

Matthias Mineur