SupertrampFür die einen das Verbrechen des Jahrhunderts, für andere ein geniales Durchbruchswerk.

Nach wie vor schwelt jener Streit zwischen den Parteien Roger Hodg-son und den von Rick Davies angeführten Supertramp, der 1978 bei den Aufnahmen in Los Angeles zum sechsten Album BREAKFAST IN AMERICA begann. Fünf Jahre später folgte dann die unvermeidliche Trennung. An der ungemein verfahrenen Situation, die fatal an die Langzeitquerelen von Pink Floyd versus Roger Waters oder Les Holroyd und John Lees von Barclay James Harvest erinnert, dürfte sich auch anlässlich des 40. Jubiläums des Durchbruchswerks CRIME OF THE CENTURY nichts ändern. Nach den ansatzweise schon ausgezeichneten Vorgängeralben SUPERTRAMP (1970) und INDELIBLY STAMPED (1971), die mehr oder minder ignoriert worden waren und sogar eine kurzzeitige Auflösung der Band zur Folge hatten, startete just mit jenem dritten Werk der weltweite Siegeszug des Art-Rock-Ensembles mit Hang zu klassischen Pop-Strukturen. Als vom Label A & M nach den beiden LP-Laden-hütern grünes Licht gegeben wurde, von Februar bis Juni 1974 das Verbrechen des Jahrhunderts einzuspielen, war zwischen Hodgson und Davies, den einzig verbliebenen Urmitgliedern, noch alles eitel Sonnenschein. Kreativ beflügelt durch die Neu-mitglieder Bob C. Benberg am Schlagzeug, Bassist Dougie Thomson und John Helliwell an Saxofon und Klarinette, gaben die beiden Streithähne gar ihre Kompositionen wie einst Lennon/McCartney als Co-Autorenschaft an. Jahre später sorgte das einst blinde Vertrauen der beiden Frontmänner für herben Verdruss. Wer sich ein wenig in Sachen Stilistik bei der nach W.H. Davies‘ Kultbuch „The Autobiography Of A Supertramp“ benannten Truppe auskennt, bemerkt die signifikanten Unterschiede beim Songwriting: Hodgson schreibt Pop-Hymnen mit eingebauten Kinderliedharmonien, Davies ist für die kompliziert pompösen Art-Rock-Epen zuständig. Wie Kleinkrämer klamüsern bis heute beide Parteien auseinander, wer wann wo was komponiert hat. Im Falle von CRIME OF THE CENTURY, eine in Struktur, Aufbau und Form mehr als effektive Blaupause für die nächsten vier Alben bis LAST FAMOUS WORDS (’82), gilt vom Tanzani-mationsauftakt ›School‹ mit Ennio-Morricone-Mundharmonika bis hin zum zeitlupenhaften, finalen Titelsong die Devise Gemeinschafts-komposition. Obwohl wahrscheinlich doch individuell gearbeitet wurde, wie jeweils Hodgsons (›Dreamer‹, ›Hide In Your Shell‹, ›If Everyone Was Listening‹) und Davies‘ (›Bloody Well Right‹, ›Asylum‹) typische Handschriften signalisieren. Als Klassiker gelten längst die acht Songs der Standard-CD und Vinyl-LP, die von Klangspezialist Ray Staff (Led Zeppelin, The Rolling Stones, Muse) für die 40TH ANNIVERSARY in den Londoner AIR-Studios digital aufgemöbelt wurden. Die mit zwei CDs bestückte DELUXE EDITION, die auch als 3-LP-Box mit zwei Fotos sowie achtseitigem Booklet erhältlich ist, wurde um einen Kon-zertmitschnitt vom März 1975 im Londoner Hammersmith Odeon ergänzt.