Kevin Parker ist erklärter Eigenbrötler. Er ist gerne allein. Dann lauscht der 26-jährige zu Hause in Perth, Westaustralien, der Musik, die in seinem Kopf stattfindet. Oder er nimmt sie auf: Abgefuckte Psychedelia, mit beatlesken Melodien und loopy Grooves (oder waren‘s groovy Loops?). Um diese Musik auf die Bühne zu bringen, braucht er seine Freunde, die mit ihm seine Band Tame Impala bilden. Und siehe da: Zigtausende wollen sie auch hören, die Musik, die in Kevins Kopf passiert. Nach dem gefeierten Debüt „Innerspeaker“ (2010) setzen Parker und Co mit dem allenthalben als „Album des Jahres 2012“ gefeierten Nachfolger „Lonerism“ noch einen drauf. Nach mehreren gescheiterten Versuchen erwischen wir den so gefragten Querkopf am Handy im Tourbus.

Du bist ja ganz schön schwer zu fassen zu kriegen! Kein Wunder, Euer neues Album geht weltweit durch die Decke.
Das mag sein. Aber hier in meiner Koje im Tourbus liegend kriege ich nicht viel davon mit. Wir sehen halt die Fans bei den Shows, das schon.

Ich habe ein Interview gelesen, in dem Du sagst: „Manchmal, wenn ich unser Zeug höre, glaube ich, das ist der größte Kackmist, den ich je gehört habe“.

Ja, das stimmt wohl. Aber manchmal ist es ja auch genau andersrum. Dass ich abgehe und denke: Wow, das ist das BESTE, das ich in meinem Leben gehört habe! Man pendelt da so hin und her. Das ist wahrscheinlich einfach Teil des Musikmachend.

Lonerism wurde in Paris, in Perth, in Hotels, im Tourbus und sogar im Flieger aufgenommen, richtig? Dafür klingt sie sehr wie aus einem Guss.

Also, das Meiste habe ich schon daheim aufgenommen. In Paris habe ich halt ein paar Vocals aufgenommen. Auf Tour geht es dann mehr um Demos. Manchmal habe ich eine Idee, und die muss ich dann schnell einfangen, auf meinem Laptop.Aber es kommt ja auch darauf an, wo deine Musik herkommt. Wenn deine Musik ein Ergebnis deiner Umwelt ist, dann macht der Ort, wo du sie aufnimmst, vielleicht etwas aus. Wenn deine Musik aber aus einem Ort in dir drinnen kommt, dann wird sie immer gleich klingen. Am Ende sind es doch deine Seele und dein Kopf, die die Musik machen, nicht deine Umgebung.

Stimmt es, dass Du eigentlich vom Jazz kommst und vor Tame Impala in Jazzbands gespielt hast?
Ooh, nicht wirklich. Kein richtiger Jazz. Nur Pretend-Jazz.

Pretend-Jazz?
Ach, nur sehr jazzy spielen, aber davon eigentlich keine Ahnung haben. Beim Proben veranstalten wir manchmal urkomische Freejazz-Jams. Näher kommen wir der Sache nicht.

Du liebst nicht nur Jazz, sondern auch Pop. Angeblich hast du sieben Songs mit Kylie im Sinn geschrieben?
Inzwischen sind‘s sogar acht!

Haben sich Kylie‘s Leute bei Dir gemeldet, seit Du das bekannt gemacht hast?
Nein! Ist auch nicht so, dass ich wirklich damit rechne. Diese Songs schreibe ich nur zum Spaß. Sie könnten niemals Tame Impala Songs sein, dafür sind sie zu cheesy. Zuckersüße, schimmernde Melodien sind zwar auch das Prinzip bei Tame Impala, aber die Melodien müssen über durchgeknallter, abgefuckter Produktion liegen. Diese Spannung muss gegeben sein..