5036369815097xrFun, fun, fun: Ausgezeichnete Dokumentation über eine nicht immer einträchtige Schicksals-gemeinschaft, die (Surf)Popgeschichte schrieb.

Ein allseits beliebtes Saubermann-Image projizierten die Strandjungs in den frühen 60er Jahren: Boten die Wilson-Brüder Brian, Dennis und Carl gemeinsam mit Cousin Mike Love, Al Jardine sowie David Marks doch das Bild eines geradezu idyllischen Familien- und Freundesclans. Propere, nette und attraktive Jungs, die sich körperlich fit und nahtlos sonnengebräunt ausschließlich für wagemutiges Endlossurfing, permanenten Geschwin-digkeitsrausch im ›Little Deuce Coupe‹ sowie makellose ›California Girls‹ zu begeistern wissen. Stilistisch koppelten die Beach Boys eine raffinierte Mixtur aus Chuck Berrys Rhythm’n’Blues, instrumentalen Eskapaden von The Ventures und Dick Dale sowie mehrstimmigem Harmoniegesang der Four Freshmen und provozierten damit ähnliche Erfolgswogen wie die Liverpooler Fab Four. Rasch zu Evergreens avancierten zündende Hits wie ›Surfin U.S.A.‹, ›Fun, Fun, Fun‹ und ›I Get Around‹. Doch wo viel Licht ist, da fällt auch Schatten. Rasch bekam das allzu makellos gezeichnete Bild hässliche Risse, wie die 141-minütige Dokumentation ENDLESS HARMONY – THE BEACH BOYS STORY anhand von Interviews mit den Hauptakteuren und prominenten Bewunderern wie Elvis Costello, Glenn Frey, Jackson Browne, Maurice Gibb, Carol Kaye sowie mit rarem Archivmaterial akribisch recherchiert. Eindrucksvoll zeichnet die zusätzlich mit sechs kompletten Videoclips (u.a. ›In My Room‹, ›Things We Did Last Summer‹, ›Sloop John B‹) und weiteren sieben 5.1. Surround Sound Audiotracks, darunter ›Surf’s Up‹, ›Do It Again‹ und ›Sail On Sailor‹, bestückte DVD die Saga der Wilson-Brüder nach, die unter dem sadistischen Erziehungsstil von Familienoberhaupt Murry Wilson, einem gescheiterten Komponisten, litten. Besonders der als Songautor talentierte Brian, seit früher Jugend auf einem Ohr taub, war Ziel von Vater Murrys Attacken. Sicherlich mit ein Grund, warum Brian sich im Erfolgstaumel erratisch bis soziopathisch verhielt. Schon 1965 schied er, durch Bruce Johnston ersetzt, aus dem aktiven Tourneebetrieb aus, fiel unter Einfluss von Halluzinogenen, Alkohol und Kokain in phlegmatisches Trübsal. Sein über Monate im Studio konzipiertes PET SOUNDS geriert sich als Opus magnum. Doch vom ebenso ambitionierten Projekt SMILE (1967) erschienen bis zur Premiere Dekaden später nur Bruchstücke. Versuche, sich mit Werken wie SURF’S UP und HOLLAND stilistisch vom einstigen Erfolgsformat zu lösen, erfuhren vom Publikum schlicht Ignoranz. Zeitweise entmündigt, verbrachte Brian Jahre in psychiatrischer Therapie, geriet zeitweise gar unter den übermächtigen Einfluss seines Nervenarztes. Derweil rivalisierten der durch östliche Philosphien beeinflusste Love und der ebenfalls auf die Alkohol- und Drogenschiene geratene, 1983 bei tragischem Unfall ums Leben gekommene Dennis um die Vorherrschaft innerhalb der Band. Abermals eine Nummer eins gelang allerdings erst 1988 mit ›Kokomo‹. Mit sporadischen Veröffentlichungen, gelegentlichen Konzerten, Wiedervereinigungen und Trennungen hielten sich die Beach Boys seit dem Krebstod von Carl Wilson halbwegs in der Balance. Alles nachzuerleben in ENDLESS HARMONY.