The New Roses 2013 @ Thomas Nägler (2)Spielfreude statt Kalkül, Leidenschaft statt Allüren: The New Roses atmen puren Rock’n’Roll, ihr Debüt WITHOUT A TRACE ist eine dementsprechend ehrliche Angelegenheit. Wir besuchten die Vollblutrocker beim Videodreh in ihrer Heimat Rüdesheim.

Ob das Zufall ist? Diese Zusammensetzung des Bandnamens aus Guns N’ Roses und The New Black? Passt jedenfalls, die Hessen schlagen in eine ähnliche Kerbe und bieten grundsoliden, schwitzenden, leidenschaftlichen Rock ohne Kompromisse. Schon vor der Veröffentlichung des Erstlings WITHOUT A TRACE kam der äußerst gut an, Deep Purple-Gründer Jon Lord outete sich als Fan des Sängers, die „Sons of Anarchy“-Macher wollten den Titelsong für den Soundtrack ihres Serienhits. Dass die New Roses statt der schillernden Großstadt oder der endlosen Weite des Highways das beschauliche Rheingau mit seinen Weinbergen und kleinen Wirtschaften als Basislager nutzen, ist für die sympathischen Jungs um Sänger Timmy Rough kein Problem. „Du spielst Rock’n’Roll, wenn du etwas verarbeiten musst oder ein bestimmtes Gefühl transportieren willst“, legt er während einer Drehpause dar. Wir sitzen in der antiquierten Kegelbahn des Landgasthofs, der heute als Kulisse für den Dreh zum Rocker ›She’s Gone‹ dient. „Wo du das tust, ist völlig egal ob auf der Route 66 in den Staaten oder der A66 hier in Hessen. Es kommt immer nur darauf an, was du fühlst. Wir können nicht nur die Akkorde greifen, wir leben es.“ Deshalb, so der Sänger, nimmt ihnen kaum noch jemand ab, tatsächlich aus Deutschland zu kommen.

In der Tat klingen die Riffs, Rhythmen und der wirklich eindrucksvolle Gesang viel eher nach Amerika mit all seinen einstigen Verheißungen. Auch die Inspiration stammt klar aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten neu gemischt und destilliert von einer Band, die heiß darauf ist, die Worte Rhein und Riff untrennbar miteinander zu verknüpfen. Es ist wohl an der Zeit für eine Wachablösung. „Ich werde nie vergessen, wie ich aus dem Zimmer meines Bruders SHAKE YOUR MONEY MAKER der Black Crowes geklaut habe“, plaudert der Sänger drauflos. „Das war eine ganz neue Welt für mich, die mein Leben vollständig veränderte.“ Mit Schlagzeuger Urban Berz teilt er diese Leidenschaft für bodenständigen Rock amerikanischer Prägung, der Rest der Band führt illustre Einflüsse von Jazz über Punk bis hin zu Metal auf. Kommen wir hier dem durchaus eigenständigen Sound der New Roses auf die Spur? Von Provinzrock findet sich auf dem Debüt nämlich keine Spur. Der Drummer schaltet sich in das Gespräch ein: „Wir sind keine Stadtband, aber auch keine absoluten Landeier. Wir wohnen nicht in der Großstadt, können sie aber schnell erreichen. Das macht es aus. Auf dem Land gab’s außer- dem schon immer mehr Rock’n’Roll.“

In ihrer Herangehensweise unterscheiden sich die Fünf indes keines- wegs von den großen Vorbildern AC/DC, Bruce Springsteen, Aerosmith, Metallica, The Black Crowes und wie sie alle heißen. Auch für The New Roses ist Rock mehr als Musik. „Wir wären traurig, wenn wir nicht auch ein Lebensgefühl vermitteln würden, und laden die Leute ein, das mit uns zu teilen. In Harmonie. Gute Laune und ein warmes Gefühl im Bauch das ist es, was Rock’n’Roll für uns ausmacht.“ Und wenn Timmy schmunzelnd anmerkt, dass sie alle zum richtigen Zeitpunkt das Falsche getan haben und deswegen beim Rock’n’Roll gelandet sind, ist das nicht nur charmant, sondern vor allem überzeugend. Lakonisch fügt er an: „Und jetzt ist es ohnehin zu spät für einen anderen Weg.“