Rolling-Stones-Brussels-AffairTanz der Teufel: klebrige Finger, Hauptstrassen-Exil und Ziegenkopfsuppe.

Nachdem die Rolling Stones erst Exile On Main Street, danach Some Girls mit Unveröffentlichtem aus dem Archiv aufwerteten, gehört die jahrzehntelange Weigerung, Outtakes und Konzertmitschnitte zu veröffentlichen, offenbar der Vergangenheit an: Ab sofort lassen sich über www.stonesarchive.com Schätze aus der Asservaten-kammer ordern.
Den Auftakt macht ein über Jahrzehnte illegaler Mitschnitt, der unter diversen Titeln bei Stones-Aficionados heiß be-gehrt war. Das im Klang von Bob Clearmountain superb optimierte THE BRUSSELS AF- FAIR 1973 lässt sich als Download erwerben, darauf enthalten sind Auszüge zweier Shows vom Oktober 1973 aus dem Brüsseler ,,Foret Nationale“. In Hochform promoten die Sto-nes in erweiterter Besetzung mit Keyboarder Billy Preston sowie der Brass-Sektion Bob-by Keys (Saxofon), Trevor Law-rence (Saxofon) und Steve Madaio (Trompete, Posaune) den gerade veröffentlichten Long-player Goat’s Head Soup, der im Stones-Kanon stets zu unrecht ein stiefmütterliches Dasein fristet. Vor allem Sologitarrist Mick Taylor weiß zu überzeugen, der ja an diversen der komplexeren Songs von Sticky Fingers bis It’s Only Rock’n’Roll auch als Autor beteiligt war, ohne je angemessen Credit von Jagger/Ri- chards zu erhalten. Taylors absolut begnadetes Spiel erhebt Klassiker wie ›Jumping Jack Flash‹, ›Midnight Rambler‹ und ›You Can’t Always Get What You Want‹ zum Hochgenuss. Billy Preston brilliert auf der Ballade ›Angie‹, puren Soul gibt’s bei ›Doo Doo Doo Doo Doo (Heartbreaker)‹ auf die Ohren. Keith Richards’ Chuck-Berry-Riffs bei ›Star Star‹, ursprünglich auf ›Starfucker‹ getauft und das Reizthema Groupies im Visier, faszinieren auch heute noch. Einmal mehr den Teufel im Leib verspüren die Rolling Stones schließlich in ›Dancing With Mr. D‹.