strypes little victoriesEs ist nicht leicht, erwachsen zu werden.

Als die irischen Jungspunde 2013 ihr Debüt SNAPSHOT vorlegten, wunderten sich vor allem die snobistischen Londoner Musikgazetten über den stark ausgeprägten Retrograd: In den Mittneunzigern geboren sein, aber auf einen rauen R&B-Sound setzen, als wollten sich die schlaksigen Kerle um Sänger Ross Farrelly mit windschnittigen Moptops, Original Wayfarer Ray-Ban, Karoanzügen und frech imitierter Bo-Diddley-Mundharmonika im Jahr 1964 zwischen Them, The Yardbirds, The Pretty Things, The Downliners Sect und The Rolling Stones einreihen. Jung, mürrisch, aufmüpfig und herrlich rüde. Da hyperventilierte selbst US-Talk-Show-Veteran David Letterman mit mehrmaligem „Yeah, Yeah“, nachdem die Jungs durch ›What A Shame‹ gehetzt waren. Doch auch Rüpel und Flegel werden erwachsen. Vom atemlosen Sixties-Geblöke bleibt auf schwierigem zweiten Anlauf LITTLE VICTORIES nicht viel übrig: ›Get Into It‹ fordern The Strypes zum Einstand mit Nachdruck, erinnern dabei aber mehr an Kasabian und Arctic Monkeys, als an sich selbst. Fortsetzung findet dieser ungewohnt neue rote Faden, an dem das Quartett samt Produzenten und Manager sicherlich monatelang rumgebastelt haben dürften in ›A Good Night’s Sleep And A Cab Fare Home‹, ›Eighty-Four‹ und ›Now She’s Gone‹. An alte R&B-Zeiten erinnert ›Status Update‹, ein Rocker ganz im Stile von Bo Diddley inklusive infektiöser Blues-Mundharmonika. Kurios tönt die Stilsuche auf ›Cruel Brunette‹, wo The Jam auf Joe Jackson treffen. ›I Need To Be Your Only One‹ funktioniert gar im Blues-Boogie-Takt. Für ›(I Wanna Be Your) Everyday‹ befinden sich doch tatsächlich psychedelisiertes Piano, Mellotron und Wah-Wah-Effekte im Einsatz. Bei der schwierigen Sache mit dem Erwachsenwerden könnte mit ›Scumbag City‹ gar eine echte Hymne herausspringen.