Aber es war noch nicht alles verloren. AC/DC hatten gerade das wundervoll alliterative DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP veröffentlicht, ihr zweites Album in Großbritannien und drittes in Australien, und obwohl die Band es noch nicht in die UK-Charts geschafft hatte, landete es zu Hause immerhin in den Top 5. Aber selbst da hatte Gitarrist und De facto-Bandkopf Malcolm Young noch was zu meckern: Ihr voriges Album in Australien, T.N.T., war auf Platz eins gewesen – wieso also nicht auch DIRTY DEEDS? Was hatten alle für ein Problem? Aber es sollte noch schlimmer kommen.

„Mitten in der Tour bekam ich einen Anruf, dass Atlantic Records in Amerika das DIRTY DEEDS-Album nicht gefiel“, so Browning. „Und dass sie die Band droppen wollten. Von da an ging es so richtig abwärts.“

Dabei war bis dahin alles so gut gelaufen. Drei Jahre zuvor von den Gitarristenbrüdern Malcolm und dem jüngeren Angus gegründet, hatten AC/DC mehrere Besetzungswechsel genauso überlebt wie miese Gigs im Outback, bei denen das Publikum seine Wertschätzung mit fliegenden Flaschen zum Ausdruck zu bringen pflegte – ja sogar einem kompletten Imagewechsel (die Idee, dass Angus eine Schuluniform tragen sollte, entsprang ihrer dankenswerterweise kurzen Glam-Phase), um dann 1975 mit Veröffentlichung ihrer ersten beiden Chartalben HIGH VOLTAGE und T.N.T. in Australien zu triumphieren.

Den perfekten Frontmann hatten die Brüder auch gefunden: Bon Scott, der in seiner bisherigen Karriere schon als Popstar bei The Valentines (dem australischen 60er Jahre-Äquivalent einer Boyband) und haariger Hippie bei Fraternity (dem australischen Äquivalent zu The Band, zumindest in ihrer Marihuana-umnebelten Inkarnation) Aufmerksamkeit erregt hatte – allerdings auch als Häftling, der für eine Schlägerei mit Polizisten, Autodiebstahl und Sex mit einer Minderjährigen als Teenager einige Monate hinter Gittern verbrachte.

Bon war einmal scherzhaft gefragt worden, ob er wohl eher das AC oder das DC der Band sei. Seine vielsagende Antwort: „Nee, ich bin der Blitz in der Mitte.“ Er stolzierte mit nacktem Oberkörper und einem wolfsgleichen Grinsen umher – mehr nur als ein Sänger war er der Geschichtenerzähler, und alle seine besten Lieder kamen aus dem wahren Leben. „Als Bon dazustieß, hatten wir die echten AC/DC“, sagt Browning.

Hinlänglich motiviert, taten AC/DC genau das, was alle hoffnungsfrohen australischen Rocker versuchten, seit ihnen The Easybeats (mit dem älteren Young-Bruder George an der Gitarre) mit dem Erfolg ihrer Single ›Friday On My Mind‹ in den UK-Charts Mitte der 60er den Weg gewiesen hatten: Sie hauten aus Australien ab.

„Schon am allerersten Tag, als ich den Job bei AC/DC bekommen hatte, sagte man mir, dass wir innerhalb der nächsten zwölf Monate nach Großbritannien gehen würden“, erinnert sich Mark Evans. „Ich dachte, sie träumten. Aber es ist genau das, was passierte.“

Aber ihr anfänglicher Erfolgsschub kam Ende 76 ins Stocken, als sie nach Australien zurückkehrten für jene Tour, die ihnen ihren bislang harschesten Weckruf servieren sollte.