„Sie hatten DIRTY DEEDS fertiggestellt, bevor sie nach Hause fuhren, was ich ziemlich gut fand“, sagt Phil Carson, der Vorstand bei Atlantic Records in London, der die Band gesignt hatte. „Ich ließ mir von Hipgnosis ein billiges Cover machen – ein abgelehnter Entwurf eines Covers einer anderen Band. Aber die Atlantic-A&R-Abteilung (in den USA) sagte: ,Sorry, aber mit diesem Album wird das nichts. Wir werden es nicht veröffentlichen und wir droppen die Band. Darin waren sich übrigens alle einig – alle.“

Jerry Greenberg, Boss von Atlantic in New York, konnte sich nicht vorstellen, wie diese rohe, noch unbekannte junge Band in die Formate der US-Radiostationen passen würde, die damals nicht genug bekommen konnten vom Softrock-Sound à la Rod Stewart, Elton John, den Eagles oder Fleetwood Mac. Selbst als Carson ihn darauf hinwies, wie erfolgreich die internationale Version von HIGH VOLTAGE in Großbritannien und auch im Rest von Europa war, änderte Greenberg seine Meinung nicht.

„Also sagte ich ihm: ,Ich glaube, du machst einen sehr, sehr großen Fehler’“, erinnert sich Carson. „Aber ihr Rausschmiss war schon besiegelt, sie waren definitiv weg vom Fenster. Daraufhin ging ich zu Neshui (Ertegun, Mitbesitzer von Atlantic mit seinem Bruder Ahmet) und zeigte ihm die Verkaufszahlen von HIGH VOLTAGE. Sie waren nicht gerade umwerfend, aber dafür, dass wir nur 25.000 Dollar für das Album ausgegeben hatten, waren sie auch nicht schlecht. Es waren 10.000 Exemplare in Deutschland verkauft worden, 12.000 in England, etwa 40.000 insgesamt. Die 25.000 Dollar hatte es auf jeden Fall wieder reingeholt. Neshui war meiner Meinung – und ich konnte die Band erneut signen. Es gelang mir, sie wieder zurückzuholen. Gott sei Dank.“

Trotz ihrer wackligen Position war die Band typisch stur in ihrer Verweigerung, sich dem Label zu beugen. Es stand absolut nicht zur Debatte, ihre Musik für den amerikanischen Markt zu verwässern.

„Nein, nein“, betont Browning. „Malcolms Haltung war das genaue Gegenteil: totale Missachtung für alles, was Amerikaner denken. Das war schon immer ihre Haltung, und das hat sie so langlebig und riesig werden lassen. Einfach nie Kompromisse eingehen in solchen Situationen.“

Dennoch wurde beschlossen, dass die Band sicherheitshalber schnell ein neues Album in Sydney aufnehmen sollte, bevor sie wieder nach Großbritannien flog. Also gingen AC/DC im Januar 1977 in die Alberts Studios in Sydney, wo sie bislang alle Platten aufgenommen hatten, und spielten in zwei Wochen das ein, was später zu LET THERE BE ROCK werden sollte.

„Diese Band hatte schon immer eine Belagerungsmentalität“, so Mark Evans, „aber als wir alle erfuhren, dass Atlantic uns loswerden wollte, war die Einstellung ,Fuck them! Für wen halten die sich eigentlich? Ab dem Zeitpunkt dachten wir: ,Fuck, denen werden wirs zeigen! Wir waren echt verdammt angepisst davon. Das musste nicht mal diskutiert werden. Wir gingen ins Studio, machten das Album und schoben es ihnen in den Arsch.“ Das Ergebnis war das erste absolut explosive AC/DC-Album.