Eine Zeitlang sah es 1977 so aus, als würde der ganzen AC/DC-Geschichte die Luft ausgehen. Doch alles änderte sich schlagartig, als in jenem Sommer LET THERE BE ROCK international veröffentlicht wurde. In Australien relativ gefloppt, erreicht es als erstes AC/DC-Album die britischen Charts auf Platz 75. Ein neuer Bassist, Cliff Williams aus Liverpool, war für die US-Tour eingestellt worden – und plötzlich standen wieder alle Zeichen auf Angriff.

„Es herrschte ein generelles Gefühl, dass wir versuchen wollten, die Sache auf die nächste Stufe zu heben“, erinnert sich Browning. „Nicht in dem Sinne, dass die Band speziell ein darauf zugeschnittenes Album machen würde, sondern eher in Bezug auf die Business-Seite. Es gelang mir, einen ordentlichen Marketing-Vorschuss für die Platte zu bekommen. In dieser Hinsicht wurden wir etwas aggressiver – und das machte sich bezahlt.“

Auch wenn LET THERE BE ROCK in den USA nur Platz 154 erreichte, markierte es dennoch den Beginn einer Reise, die AC/DC nur drei Jahre später zu einer der größten Rockbands aller Zeiten werden sah. Es war nur schade, dass Bon Scott nicht mehr lange genug lebte, um es selbst zu erleben. Als er in einem Interview mit dem New Yorker Fanzine „Punk“ gefragt wurde, was der Sinn seines Lebens sei, antwortete er: „So viel Spaß wie möglich und so kurz wie möglich.“ Es wurde zur selbsterfüllenden Prophezeiung.

Trotzdem war LET THERE BE ROCK, wie Phil Carson heute sagt, der Wendepunkt in der Geschichte von AC/DC. „Mit DIRTY DEEDS waren sie praktisch weg vom Fenster, aber mit LET THERE BE ROCK waren sie wieder ganz vorne dabei. Als sie mit dem Album endlich nach Amerika kamen, hatte Atlantic in New York John Kalodner als neuen A&R-Mann eingestellt, der verstand, dass man diese Band nie durch Singles und das Radio groß machen könnte. Er kam zu ihrem Konzert und sah sofort, dass dies der Band zum Durchbruch verhelfen würde: sie einfach zu den Leuten zu bringen. Und das ist eigentlich alles, was sie seither machen.“

Na ja, nicht alles, wie Ian Jeffery bezeugt. „Live blieb alles gleich – sie waren immer genial auf der Bühne. Aber hinter den Kulissen hatte die Geschichte eigentlich gerade erst angefangen.“
Auch wenn sie es damals noch nicht wissen konnten, hatten AC/DC mit LET THERE BE ROCK einen Höhepunkt erreicht – trotzig, aber unschuldig, entschlossen, aber ohne jegliche Garantien, ihr US-Vertrag immer noch am seidenen Faden hängend, aber völlig von ihrer Mission überzeugt –, den sie nie wieder wiederholen sollten, egal, wie sehr sie es versuchen, bis heute.

„Das waren definitiv die guten Zeiten“, sagt Jeffery. „Ich war dabei, als Bon starb, und ich war auch dabei, als Brian Johnson einstieg und sie endlich enorm erfolgreich wurden. Und sie machten auch nach Bon einige großartige Sachen. Aber sie machten nie wieder ein Album wie LET THERE BE ROCK. Ich höre noch heute Lieder davon und denke mir: Oh Mann, ich wünschte, ich könnte zurück in der Zeit gehen und es alles noch mal machen.“