The Beatles (3)Mit Superlativen ist es ja so eine Sache, doch dieses Zitat stammt von Lemmy Kilmister. Und wer sind wir, an seinem Urteil zu zweifeln? 50 Jahre nach dem Urknall der Beatlemania ergibt es jedenfalls Sinn, auf das Phänomen The Beatles ein wenig genauer zurückzublicken. Denn in einem Punkt gibt es keine zwei Meinungen: Sie waren die wichtigste Band der Rockgeschichte. Der Ausgangspunkt für alles, was wir lieben.

Lemmy Kilmister ist ein weiser Mann. In der nach ihm benannten, drei Jahre alten Filmbiograf ie von Wes Orshoski und Greg Olliver, lässt die Rock’n’Roll-Ikone mit dem Doppelf ibrom einen denkwürdigen Satz fallen: „Die Beatles waren die beste Band aller Zeiten.“ Eine Erkenntnis, zu der er gelang, nachdem er extra nach Liverpool getrampt war, um die damals brandheiße Band im „Cavern Club“ zu hören. Die Mädels aus seinem Heimatkaff hatten ihm den Tipp dazu gegeben, denn die standen plötzlich nicht mehr auf Billy Fury, einen der zahlreichen britischen Elvis-Klone, sondern eben auf The Beatles. Jung-Lemmy war schwer beeindruckt. Nun mögen Motörhead und die Fab Four auf den ersten Blick nicht allzu viele Gemeinsamkeiten besitzen, doch dieser erste Blick täuscht gewaltig. Denn die Pioniertat der Beatles bestand ja nun mal nicht darin, Rock’n’Roll zu spielen, das hatten bereits andere vor ihnen getan. Neu war allerdings, dass sie eben nicht Johnny Moondog & The Liverpool Three hießen, wie das um 1960 noch üblich war: Ein Star in der Band, in der Regel der Sänger, ergänzt um relativ austauschbare Begleitmusiker, die sich brav im Hintergrund zu halten hatten. Wobei der Frontmann natürlich auch optisch herausstach, er trug die schicksten Klamotten, während sich der Glamourfaktor der restlichen Band bestenfalls in synchronen Tanzschritten erschöpfte. Meist plärrte dazu ein Saxophon.

Die Beatles im „Cavern Club“ waren anders. Vier Typen in Lederjacken, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug. Kein Saxophon, kein Frontmann im Glitzerfummel – und keine albernen Tanzschrittchen. Das war nicht Elvis, der King, mit seinem Hofstaat, sondern offensichtlich eine recht demokratische Versammlung vier gleichberechtigter Musiker. Zumindest in der Außenansicht. Was gut in eine Zeit passte, in der Englands Jugend nach Emanzipation von überkommenen Traditionen trachtete und die seit Jahrhunderten festgefügte Klassengesellschaft ins Wanken brachte. Noch schwerer wog allerdings ein anderer Aspekt: Popmusiker waren bislang fast ausnahmslos vor allem eines – Interpreten. Die Musik schrieben und betexteten professionelle Songwriterteams, bisweilen wie am Fließband. Und der Produzent wählte das Lied aus, das sein Schützling zu singen hatte, weil es seiner Ansicht nach am besten zu dessen Image passte, die größten kommerziellen Chancen versprach oder weil er dem Komponisten noch einen Gefallen schuldete. Ebenfalls ein beliebter Deal: Produzenten, womöglich bar aller kompositorischen Fähigkeiten, ließen sich im Gegenzug als Co-Autoren eintragen, um später Tantiemen zu kassieren. Mitspracherecht für Musiker? Aber nicht doch! Das Pop-Business des Jahres 1960 war nicht allzu weit von dem entfernt, was uns heute dank Casting-Shows und inszenierter Superstars geboten wird: singende und tanzende Marionetten, die schön aussehen sollten, ansonsten aber bitte die Klappe halten mögen – denn für Songauswahl und Stil, für Produktion, Imageberatung und Bühnenoutf it sind andere zuständig. Profis.