Titelstory: Malcolm Young – We salute you!

Malcolm Young

Es war eine Nachricht, die nicht nur die Rockwelt erschütterte: Keine vier Wochen nach dem Tod seines älteren Bruders, dem früheren Easybeats-Star und  AC/DC-Produzenten George Young, verstarb am 18. November 2017 auch AC/DC-Gründer Malcolm Mitchell Young im Alter von nur 64 Jahren. Der Rhythmusgitarrist und Songwriter war Ideengeber, Visionär und Boss, kurz: Herz und Seele von AC/DC. 2014 wurde bekannt, dass „Mal“ an Demenz litt und die Band verlassen muss.

Ein Schock für Angus und Millionen Fans. Jetzt wurde Malcolm, der zuletzt in einem Pflegeheim lebte, von seinem schweren Leiden erlöst. Mit ihm geht ein Gigant des Hardrock – und ein absoluter Antistar, der sich – wie seine Bandkollegen – nullkommanull aus Glamour und Ruhm machte und nur für die Musik lebte. Mit seinen Riffs wird er in Erinnerung bleiben, auf ewig. Eine Hommage

Der 28. November 2017. Ein sonniger, wenngleich extrem trauriger Tag in Sydney, Australien. An­­dächtig zieht eine schwarzgewandete Trauergemeinde von der St. Mary’s  Cathedral durch die College Street. Am Straßenrand Hunderte Fans in AC/DC-Shirts, die Scots College Pipes And Drums Band spielt australische Folksongs wie ›Along the Road To Gundagai‹ und den AC/DC-Klassiker ›It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock’n’Roll)‹. Malcolm Young, der am 18. November gestorben ist, wird hier heute zu Grabe getragen. Sein jüngerer Bruder Angus ist schwer von Trauer gezeichnet, auf Fotos kann man erkennen, wie er versucht, seine Tränen zurückzuhalten. Er trägt einen Gitarrenkoffer. Darin: Mals Lieblingsgitarre, eine sandfarbene 1963er-Gretsch, liebevoll „The Beast“ genannt. Angus platziert das Instrument sichtlich bewegt auf dem Sarg. Eine letzte Verbeugung.

Der denkbar traurigste aller Anlässe brachte „Acca Dacca“, wie die Band down under genannt wird, an diesem Tag zusammen: Frontmann Brian Johnson, die ehemaligen Bassisten Cliff Williams und Mark Evans, ex-Drummer Phil Rudd, Produzent Harry Vanda, dazu australische Rockgrößen wie Jimmy Barnes und Gary „Angry“ Anderson von Rose Tattoo. Sie alle waren gekommen, um ihrem Freund Malcolm im Kreis der Familie die letzte Ehre zu erweisen.

In der St. Mary’s Cathedral erinnern Freunde und Familienmitglieder in teils launigen Trauerreden an Mal: „Shopping sah bei Malcolm so aus“, erzählt Neffe Bradley Horsburgh, der Sohn von Mals Schwester Margaret: „Ein paar schwarze T-Shirts, zwei paar Jeans. Fertig!“ Und weiter: „Malcolm war weit entfernt vom Stereotyp des Rockstars. Er verbachte seine Zeit am liebsten mit seiner Familie. Berühmt war er für seine Riffs und berüchtigt für seine Segelkünste. Wer sich in Lebensgefahr begeben wollte, ging mit Mal zum Segeln…“

Statt großer Blumengebinde hatte man bei der Beerdigung um Spenden für die Heilsarmee gebeten. Herz zeigen für die, mit denen es das Leben nicht so gut meint – auch das ist typisch Young!
Auf die Meldung von Malcolms tragischem Tod hin bekundeten unzählige Kollegen ihr Beileid per Twitter. Eddie Van Halen, Tony Iommi, Lars Ulrich von Metallica, Guns N’ Roses, Def Leppard, Scorpions, Ozzy Osbourne und Zakk Wylde, Dave Mustaine, Tom Mo­­rello, Vince Neil, Ron Wood von den Rolling Stones. Einhelliger Tenor: „A sad day for Rock’n’Roll!“ Und die Foo Fighters spielten bei ihrem Konzert in Mexico City Malcolm zu Ehren den Klassiker ›Let There Be Rock‹ und zeigten dabei sein Konterfei auf einem riesigen Backdrop. Mit seiner Musik hatte Malcolm nicht nur Millionen Fans in aller Welt berührt, sondern auch viele Musikerkollegen inspiriert.

MALCOLM, DER ROCK-GIGANT

Malcolm Young mag zwar nur 1,60m gemessen haben, auf der Bühne aber wurde er zum Giganten, zur treibenden Kraft von AC/DC. Zwischen der Gründung im November 1973 und seinem krankheitsbedingten Ausstieg im Jahr 2014 machte er AC/DC zusammen mit Bruder Angus zur größten Hardrock-Band der Welt: mit BACK IN BLACK schufen sie das nach Michael Jacksons THRILLER meistverkaufte Album der Musik-
Geschichte. Jedes ihrer Stadionkonzerte war ausverkauft. Und 2003 wurden sie schließlich verdientermaßen in die „Rock & Roll Hall Of Fame“ aufgenommen. Malcolm war talentiert, zielstrebig und ehrgeizig, ein harter Arbeiter, der alles gab, aber immer bescheiden blieb und unbeirrbar seinen Weg ging: no Stop signs, speed limits…

„ANGUS, DU MACHST DAS THEATER!“

Die Rollenverteilung bei AC/DC wurde relativ früh klar festgelegt – natürlich von Malcolm: „Angus!“, hatte er einst lapidar zu seinem jüngeren Bruder gesagt, „du machst auf der Bühne das Theater, denn mich würde das nur vom Saufen abhalten!“ So erzählte es mir Angus vor Jahren in einem Interview. Ein Statement für die Ewigkeit – und ein klares Anzeichen dafür, dass es von jeher Malcolm war, der bestimmte, wo es bei AC/DC langging, auch wenn Youngster Angus in seiner Schuluniform immer im Rampenlicht stand, sowas wie das Maskottchen der Band wurde und die meisten Fans ihn für den Chef hielten.

In meiner Zeit als Reporter hatte ich oft mit AC/DC zu tun, hatte Angus ab 1990 über 20 Jahre hinweg mehrfach interviewt, in München, Köln, Hamburg oder in London, zu Alben wie THE RAZOR’S EDGE, BALLBREAKER, der LI­­VE-DVD oder dem BONFIRE-Boxset. Manchmal war Brian Johnson mit dabei, Malcolm nie. Ge­­spräche mit den Medien überließ er lieber seinem Bruder – aber innerhalb der Band hatte Mal das Sagen. Ich erinnere mich an einen Termin in Stuttgart 1991 auf der RAZOR’S EDGE-Tour. Interview mit Angus backstage vor der Show in der Schleyerhalle. Er erschien nicht im Bühnenoutfit, statt Schuluniform trug er ausgewaschene Jeans und ein dunkelblaues Sweatshirt, dessen Ärmel er zweimal umkrempeln musste, weil sie viel zu lang waren. Angus erzählte sehr launig, mit trockenem Humor. Wie immer trank er Tee und rauchte Kette. Von Malcolm war weit und breit nichts zu sehen. Nach dem Interview stand für die gesamte Band noch ein Meet & Greet an – neben Brian Johnson, Basser Cliff Williams und Drummer Chris Slade tauchte jetzt auch Malcolm auf und widmete sich sofort den beiden jungen Fans, die das Treffen gewonnen hatten. Er redete nicht viel, war aber stets freundlich, erfüllte bereitwillig Autogrammwünsche und posierte geduldig für Fotos. „Ohne Fans, kein AC/DC“, das war Mal immer klar – für sie gab er alles und erwartete das auch von seiner Band.

Im Hintergrund fühlte er sich am wohlsten. Auch auf der Bühne. Sein Stammplatz war hinten links vor den meterhohen Marshall-Amps. Da stand er während der Show fast wie angewurzelt und drosch, Kippe im Mundwinkel, gnadenlos seine knochentrockenen Riffs in die Saiten seiner Gretsch-Gitarre, mit einer Präzision, die unheimlich war. Dieser Platz hatte den Vorteil, dass der Rhythmusgitarrist seinen Bierbecher stets in Griffnähe hatte. „Ich habe eigentlich nie viel getrunken“, wird Malcolm später sagen, „aber immer konstant!“ Der Alkohol wird ihm Jahre später zum Verhängnis werden, erstmals 1988 auf der BLOW UP YOUR VIDEO-Tour, als er zur Entziehungskur musste und von Neffe Stevie Young, ehemals Gitarrist der Band Starfighters, ersetzt wurde.

6 KOMMENTARE

  1. Danke für den tollen Bericht.
    AC/DC mit Bon war mein erstes Konzert in der Hamburger Ernst Merck Halle und wenn ich daran denke bekomme ich heute noch Gänsehaut.

  2. Ich bin seit den 80er Metall Fan und ACDC sind die die mich bestärkt haben anders zu sein wie andere. Die Liebe zu dieser Musik habe ich weiter gegeben an meinen jüngsten Sohn, für Ihn ist ACDC wie Therapie gewesen er hat eine seltene Krankheit. Auf seinen Wunsch durfte er 2014 nach Hockenheim und seine Band live sehen er redet noch heute von einem unvergessen Abend

  3. Ich habe in den Achtzigern AC/DC bei ihrer Back In Black Tour mit Brian Johnson live in Kiel in der Ostseehalle gesehen. Whitesnake waren damals die Vorband. Ein supereindrucksvolles Konzert, dass mein gesamtes Musikverständnis geprägt hat. Ich war damals erst enttäuscht, dass es Bon Scott nicht mehr gab, aber nach diesem Konzert war klar, Brian Johnson rockt. Die Rythmusgitarre von Malcom Young hat mich maßgeblich inspiriert und mich zur Gitarre geführt. Und auch heute möchte ich ich diese Band nicht missen. Ich hoffe Angus Young hat die Kraft weiter zu machen. Ich kann ihn mir nicht anders vorstellen. Vielen Dank für diesen liebevollen Beitrag. Rock on!

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