Tom Petty and The Heartbreakers 2[3]Mit HYPNOTIC EYE bewiesen Tom Petty & The Heartbreakers in der vierten Dekade ihrer Karriere erneut eindrucksvoll, dass sie zum Besten gehören, was die amerikanische Popkultur zu bieten hat. Anlass genug für CLASSIC ROCK, die Geschichte der Band und ihres Gründers Revue passieren zu lassen.

Wer sich schon einmal längere Zeit in den USA aufgehalten und zufällig oder absichtlich einen der unzähligen Classic-Rock-Sender im Autoradio eingeschaltet hat, der wird genau wissen, wie die Musik von Tom Petty & The Heartbreakers auf den Zuhörer wirkt. Wenn es stundenlang geradeaus durch endlose Wüstenlandschaften geht oder man auf mehrspurigen Highways im Stau steht – beinahe jeder Petty-Song entfacht seine volle Wirkung erst im Land seines Erschaffers. Oder er lässt Menschen auf anderen Kontinenten sehnsüchtig von einem Lebensgefühl träumen, das seine Wurzeln im Blues des nordamerikanischen Südens hat, den Petty geschickt mit dem englischen Beat verbindet. Kein Wunder also, dass der Mann mit über 80 Millionen verkauften Tonträgern zu den erfolgreichsten seiner Zunft gehört und weltweit noch immer die größten Hallen füllt, in Deutschland zuletzt im Juni 2012 in Hamburg, Köln und Mannheim. Und das nach 20 Jahren Abstinenz. Die Faszination und langlebige Relevanz des Amerikaners und seiner einmaligen Begleitband kommen aber nicht von ungefähr – der Aufstieg des Thomas Earl Petty ist auch ein Akt des Willens.

Geboren wird Petty am 20. Oktober 1950 im beschaulichen Gainesville im Norden Floridas. Anders als im von der Karibik beeinflussten Süden herrscht hier durch die Nähe zu Georgia und den anderen Südstaaten ein anderes, konservativeres Lebensgefühl. Daran wird sich der Teenager bald messen müssen. Denn als Elvis Presley im Sommer 1961 nach Ocala/Florida kommt, um einen seiner Fließband-Filme („Follow That Dream“) zu drehen, wird Petty von seinem Onkel mit zum Set genommen, an dem er arbeitet, und stellt ihm den King vor. Klein-Tom ist schwer beeindruckt und besorgt sich umgehend von einem Freund eine ganze Box Elvis-Singles. Er wird Fan, sein Vater verzweifelt noch mehr, als der Sohnemann am 9. Februar 1964 zum ersten Mal die Beatles in der „Ed Sullivan Show“ im TV sieht. „Sie spielten ›A Hard Days’s Night‹“ (hier irrt Petty, den Song spielten die Beatles nicht an diesem Abend. Anm. d. Red.) , so Petty später, „und ich wusste, welchen Weg ich zu gehen hatte. Auf der einen Seite gab es die Farmarbeit und auf der anderen – die Beatles.“ Sein Vater kauft ihm für 35 Dollar eine Gitarre. „Innerhalb von 24 Stunden hatte sich alles verändert“, erinnert sich Petty.

Für eine Musikerkarriere ist Gainesville aufgrund seiner Universität ein idealer Ort: Es gibt viele Kneipen und damit Möglichkeiten, vor einem jungen und (neu)gierigen Publikum aufzutreten. Als erste Band sieht Petty eine lokale Größe namens Continentals, in der ihn der Gitarrist am meisten fasziniert: Es ist kein Geringerer als der spätere Eagles-Musiker Don Felder. Der arbeitet bei Lipham Music; in diesem Musikladen bringt der drei Jahre ältere Felder seinem Bewunderer das Klavierspielen bei. Der junge Mann, den die Schule immer weniger interessiert, nutzt jede Gelegenheit, um sich Bands anzuschauen, auf Uni-Parties sieht er u.a. die Escorts, eine Beatles-Coverband mit Gregg und Duane Allman. Mit den Sundowners startet er eine Schülerband, später in Epics umbenannt. Mit seinem Partner und Schulfreund Tom Leadon schafft er es, sich in Gainesville im Laufe der Jahre einen Namen zu machen.