Bolin, Tommy5-CD-Box erinnert an einen wahren Virtuosen.

Als der in europäischen Breitengraden damals relative unbekannte US-Gitarrist Tommy Bolin (zuvor bei Zephyr und der James Gang) bei Deep Purple den Job des abtrünnigen Ritchie Blackmore übernimmt, ist die Verblüffung groß. Ein einziges Album spielt Bolin mit Coverdale, Hughes, Lord und Paice ein: Come Taste The Band, ein auf Black Music geeichtes vorläufiges Finale bis zur Purple-Reunion 1984. Parallel erscheint Bolins Solowerk TEASER: Atemberaubend virtuos und mit illustren Gästen wie Keyboarder Jan Hammer, Saxofonist David Sanborn, Schlagzeuger Jeff Porcaro und Bassist Stanley Sheldon wechseln Jazz-Fusion mit Funk, Soul, Latin, Reggae, Hard Rock und Rhythm’n’Blues. Mittendrin ein Evergreen zwischen traumhaftem Karibik-Gefühl und mondäner Cocktail-Eleganz: ›People, People‹. Ein weiteres Werk, Private Eyes, spielte Bolin noch ein, dann stirbt er im Dezember 1976 mit gerade mal 25 Jahren an einer Überdosis Heroin. Üppig geraten ist TEASER DEFINITIVE COLLECTOR’S EDITION mit fünf CDs: Da ist das digital aufbereitete Original mit Ausnahmenummern wie ›The Grind‹, ›Marching Powder‹ und ›Teaser‹. Gleich zwei CDs liefern feine Outtakes und Alternative Versions. Auf zwei weiteren Scheiben versammeln sich Koryphäen wie John Scofield, Sonny Landreth, Steve Morse, Peter Frampton, Steve Lukather, Joe Bonamassa und Derek Trucks, um unter Anleitung der Produzenten Greg Hampton und Warren Haynes mit Tommy Bolins Gesangs- und Gitarrenspuren zu spielen. Nicht immer geglückt, aber dennoch ein interessantes Experiment.