PrintEin intimer Konzertabend mit 97.000 Gleichgesinnten.

Wenn unsereins von einem netten, kleinen Gig spricht, ist damit ein Live-Vortrag in einer Bar oder einem Club gemeint. Ganz anders bei Bono von U2: Der nimmt diese drei Worte auch in den Mund, wenn es sich dabei um eines der größten Stadien der USA handelt, das eine hundsmiserable Akustik besitzt, und in dem Hotdogs mit acht Dollar, Bier mit zehn Dollar und Parken mit gesalzenen 20 Scheinen zu Buche schlagen. Multipliziert mit 97.000 Anwesen-den ergibt das eine stattliche Summe, die – und da liegt die Ironie – das refinanzieren soll, was U2 dem eigenen Größenwahn schulden. Denn die Sucht nach immer monströseren Menschenmassen soll derart kompensiert werden, dass man eine aufwändige und kostspielige Bühne errichtet, um dem zahlenden Volk näher zu kommen und eine verlorene Intimität zu beschwören.

Was ein unfassbarer Widerspruch ist – aber nicht der einzige bei den irischen Superstars. Die wissen zum Beispiel ganz genau, dass ihre besten Alben die vier vor THE JOSHUA TREE sind – trotzdem wird diese Phase im aktuellen Set nur mit zwei Titeln (›Sunday Bloody Sunday‹, ›The Unforgettable Fire‹) bedacht. Und auch der Versuch, das vordergründig Politische etwas zurückzuschrauben und sich ganz der Musik zu widmen, gerät zur Farce, wenn Desmond Tutu minutenlang via Plasmascreen predigt und Birmas unter Arrest stehende Präsidentin Aung San Suu Kyi mit Masken, Parolen und Solidaritätsbekundungen gefeiert wird.

Doch U2 sind so übermannt von ihrer eigenen Gigantomanie, dass sie gar nicht mehr merken, wie die teuerste Bühne der Rockgeschichte sie nur noch mehr zu unerreichbaren Superstars macht, die man am besten gleich im Heimkino bewundert – und dann die Qual der Wahl hat: Standard Super King DVD, Blu-Ray, Limited Deluxe Digipak oder Limited Super Deluxe Box. Das Konzert ist überall dasselbe. Es sind die Gimmicks, die extra kosten.