UFODie Wilden, die Willigen und die Unschuldigen: Wie sich eine Kultformation selbst demontiert.

Nach erster Werkschau folgt der zweite Streich: THE CHRYSALIS YEARS (1980 – 1986) nimmt sich die Post-Schenker-Ära zur Brust. Wie sehr der UFO-Restrumpf aus Sänger Phil Mogg, Bassist Pete Way, Schlagzeuger Andy Parker und Keyboarder Paul Raymond ins Schwimmen gerät, als sich der aufs Komasaufen fixierte Schenker 1978 fürs erste verabschiedet, macht zwei Jahre später das von Beatles-Produzent George Martin produzierte NO PLACE TO RUN schon im Titel klar: UFO stecken in einem bösen Dilemma. Ex-Lone Star Paul Chapman, 1974 in einer Zwei-Gitarren-Besetzung mit Herrn Flinkfinger aus Hannover schon kurz an Bord des Raumschiffs, ersetzt „The German Wunderkind“. Obwohl Chapman technisch durchaus mithalten kann, gegen Schenkers flüssige Solis, kompakte Riffs und unnachahmlichen Kompositionsstil können weder die zehn Original-Tracks, noch die rare Single-B-Seite ›Hot ’n’ Ready‹ oder die zwölf Titel von „BBC In Concert“ vom 4. Februar 1980 anstinken. Irritiert streicht Raymond wenig später die Segel. An seiner Stelle mischt 1981 auf THE WILD, THE WILLING AND THE INNOCENT Neil Carter mit. Nicht übel tönen Hard-Rock-Hymnen wie ›Chains Chains‹ und ›Lonely Heart‹, schlicht schön ist die Ballade ›Profession Of Violence‹ im Schenker-Stil. Um einiges spontaner gerät MECHANIX ein Jahr später.

Überzeugungsarbeit leistet vor allem das saftige Eddie-Cochran-Cover ›Somethin’ Else‹. Ordentlich auf die Zwölf geben auch ›Dreaming‹, ›The Writer‹ und ›We Belong To The Night‹. Abermals müssen UFO umdenken, als sich Bassist Pete Way verabschiedet. Chapman übernimmt im Studio seinen Part. MAKING CONTACT lautet das Credo 1983. Ein mit Synthesizern, Keyboards und Hall-Bombast zugekleistertes Machwerk – vom Auftakt ›Blinded By The Lie‹ bis zum finalen Muntermacher ›Push, It’s Love‹. Schade um das zum Teil annehmbare Songmaterial. Ins Digitalzeitalter heben die zwischenzeitlich kurzfristig aufgelösten UFO 1985 ab. In Los Angeles produziert Phil Mogg mit Sologitarrist Tommy McClendon, Bassist Paul Gray, Schlagzeuger Jim Simpson sowie Paul Raymond MISDEMEANOR. Unter der Grenze zur Erträglichkeit hämmert sich die einst so famose Crew um ihren guten Ruf. Pompös und peinlich.

NO PLACE TO RUN 6
THE WILD, THE WILLING AND THE INNOCENT 5
MECHANIX 5
MAKING CONTACT 2
MISDEMEANOR 1