Eigentlich ist Javier Vargas in anderen stilistischen Gewässern zu Hause. Doch nun hat er sich mit drei renommierten Rockern zusammengetan, um den klassischen Riffs zu huldigen. Das Resultat ist ein Album, das mit Coversongs verdienter Klassiker besticht.

VBA_Vegas_2Nein, Javier Vargas kann nicht verleugnen, dass sein künstlerischer Gusto mit der Musik der Gegenwart nur herzlich wenig anfangen kann. In den Adern des gebürtigen Spaniers mit Migrationshintergrund (seine Eltern stammen aus Buenos Aires) fließt der Rock der Gründerjahre, sprich: die Musik der späten Sechziger und frühen Siebziger. Fragt man ihn nach seinen Vorbildern, fallen Namen wie Led Zeppelin, Black Sabbath, Cream, Rolling Stones, The Doors, Jimi Hendrix, Carlos Santana oder B.B. King. Keine schlechten Adressen, wohl wahr, aber dennoch überwiegend Relikte der Rock-Annalen. Doch Vargas möchte unbedingt seinen Vorbildern huldigen und hat deshalb nun ein Album mit Coversongs veröffentlicht, unter denen man Gary Moores ›Parisienne Walkaways‹ ebenso wiederfindet wie ›Black Night‹ von Deep Purple oder AC/DCs ›It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock’n’­­Roll)‹. „Es ging ausschließlich um den Spaß“, sagt Vargas, der eine ungewöhnlich flüssige Bluesrock-Gitarre spielt und daher von Kollegen geschätzt wird.

Für den studierten Saitendehner war es demzufolge kein großes Problem, geeignete Mitstreiter zu finden. Mit Bassist Tim Bogert und Drummer Carmine Appice hat er sich allerdings zwei echte Legenden geangelt. Zum besseren Verständnis: Als Mitglieder von Gruppen wie Vanilla Fudge, Cactus oder der Jeff Beck Band waren die beiden an stilprägenden Veröffentlichungen der Rockgeschichte beteiligt. „Über meine Agentur bekam ich Kontakt zu Carmine, der wiederum fragte Tim, ich flog nach Vegas und nahm dort die Scheibe auf. Ein tolles Erlebnis, ich konnte von den beiden viel lernen.“

Vierter Mann im Bunde ist Sänger Paul Shortino, in Fachkreisen für seine Hard’n’Heavy-Schlachten mit Quiet Riot und Rough Cutt bekannt. Eigentlich stellt Shortino das Epizentrum dieses eher moderaten Klangbebens dar, für eine Aufnahme in den Namenszug hat’s dennoch nicht gereicht. Vargas erklärt die Angelegenheit so: „Ich mag den Klang und die Optik des Kürzels Vargas, Bogert & Appice. Außerdem sollte ursprünglich Tim die Songs singen. Doch dann schlug er Paul Shortino vor, dessen riesiges Stimmenspektrum uns begeisterte. Also entschieden wir uns, dass er den kompletten Gesang übernimmt.“

So traditionell die Herangehensweise, so gänzlich unspektakulär würde das Album klingen, hätten Vargas, Bogert & Appice nicht zwei Zuckerl in der Hinterhand: Anstatt rein auf Rockklassiker zu vertrauen, nahmen sich die vier betagten Herren auch Nummern zur Brust, die zwischenzeitlich den Pop-Markt eroberten: ›You Keep Me Hangin’ On‹ von Vanilla Fudge, jedoch weitaus besser bekannt als Disco-Version von Kim Wilde, und ›Over My Shoulder‹ von Mike & The Mechanics, ebenfalls ein Pop-Nümmerchen mit ursprünglich recht schaler Ausstrahlung. Hier jedoch, dank des feurigen Einsatzes vom Vargas, Bogert & Appice-Instrumentarium, können die Altmeister noch einmal am Jungbrunnen naschen: „Ich freue mich darüber, dass uns Freunde, Fans und andere Musiker zu diesem Album beglückwünschen“, erklärt Vargas mit stolzer Stimme, „sie sagen, es sei die richtige Entscheidung gewesen, ein solches Werk aufzunehmen.“