Der nächste Stern am klassischen Rockhimmel? Vidunder haben gute Karten: Sie kommen aus Schweden, haben sich mit Herz und Seele der magischen Seite rückwärtsgewandter Rockmusik verschrieben und mit VIDUNDER ein Debüt vorgelegt, das eine ganze Menge richtig macht.

????????????????????Natürlich war früher nicht alles besser. Aber anders war es schon. Das gilt natürlich auch für die Musik: Magische Klänge, Sinfonien der Bewusstseinserweiterung, Hymnen des Protests, Soundtracks zum psychedelischen Spaziergang durch den Zauberwald begleiteten die 60er und 70er Jahre. Eine Band, die viel von diesem mythischen Nebel inhaliert hat, sind Vidunder aus Schweden. Das tragen sie schon im Namen: Vidunder bedeutet eine Art magisches Wunder, die erste Frage liegt da quasi auf der Hand.

„Absolut!“, antwortet Bassist Linus Larsson auf die Vermutung, dass Musik für ihn viel mit Erleuchtung, mit dem Öffnen von Türen zu tun hat. „Heute hört alle Welt nur noch einzelne Singlehits, die keinerlei Raum für tiefere Betrachtungen des Lebens und des Jenseits zulassen. Den meisten jungen Menschen erscheint das Konzept eines Albums rätselhaft, weil man sich länger damit auseinandersetzen muss.“ Entsprechend übernatürlich, fantastisch und magisch gestalten sich die Inhalte des Debüts VIDUNDER. „Uns alle fasziniert das Okkulte, das Mystische“, so Linus. „Ich nutze diese Legenden, um eine verlorene Zeit heraufzubeschwören. Als es noch mehr Magie und weniger Verpflichtungen gab.“

Schon ist klar, aus welchem Holz die jungen Schweden geschnitzt sind. Magischer Classic Rock ist ihr Nonplusultra, auch wenn die musikalische Früherziehung gar nicht danach aussah: Von Green Day und Nirvana ist da die Rede, schnell entwickelten die Heranwachsenden aber eine Leidenschaft für Pink Floyd, die Beatles und Led Zeppelin. Was am Ende dabei herauskommt, verdeutlicht ihr Debüt VIDUNDER: Klassischer Rock voller analoger Wärme und verspielter Passagen, eine kräftige Prise Blues, ein dezent psychedelischer Schleier. Für Bassist Linus liegen die Vorteile dieser Musik auf der Hand. „Die Musik ist ehrlich und authentisch, gesteht dir außerdem die größtmögliche künstlerische Freiheit zu. Völlig abgedrehte Parts, Rhythmuswechsel, verdrogte Fantasiegeschichten, Poesie…“ Obwohl man erst 2011 zusammenfand, ist es vorschnell, Vidunder als Mitläufer eines Trends abzutun. Sie wissen sehr wohl, was sie wollen, machen ihr eigenes Ding – und punkten vor allem mit Charisma und Eigenständigkeit. Es gehört eben mehr dazu, als sich einen Bart wachsen zu lassen und neben Orange-Verstärkern zu posieren. „Völlig richtig“, lacht Martin Prim. Der Sänger und Gitarrist ist großer Iron Maiden-Fan und legt gern auch mal auf schwedisch los. „Ob man sich ein neues oder ein altes Auto kauft – am Ende muss man es fahren können.“

Das Besondere am authentischen Klang der Schweden ist die Improvisation. „Weite Strecken unserer Songs scheinen sich einfach von selbst zu schreiben“, wundert sich Martin. „Jede einzelne Nummer entstand aus einem spontanen Jam, geplant war da nichts.“ Am Ende entstand Musik, mit der sich sogar die Eltern der drei identifizieren können. „Meine Mutter meinte, dass sich das ja sogar nach Musik anhört“, erzählt Linus lachend. Davor habe er in deutlich progressiveren, extremeren Bands gespielt, die im Elternhaus wohl nicht so gut ankamen. Und im Rest der Musikwelt sowieso nicht: Ein Ende der Retrobewegung ist nicht in Sicht, ihren Ursprung nahm sie mit Graveyard zufällig auch bei einer schwedischen Band. „Die Szene in Schweden hat Graveyard sehr viel zu verdanken“, nickt Linus. „Es war toll zu sehen, wie die Szene wuchs, wie immer mehr Menschen so rumliefen wie in Woodstock. Denn irgendwie wünscht sich doch jeder, in dieser Zeit aufgewachsen zu sein. Oder etwa nicht?“