Mit Emperor schrieb der norwegische Gitarrist und Sänger Vegard Sverre Tveitan alias Ihsahn Extrem-Metal-Geschichte, nach deren Auflösung etablierte er sich als einer der interessantesten neuen Prog-Musiker. Drei Alben, alle mit „A“ beginnend, veröffentlichte er vor EREMITA, dem aktuellen Werk: THE ADVERSARY, ANGL und zuletzt AFTER, drei Alben, die er als „Trilogie“ bezeichnet. Mit der Ansage, danach sei alles offen – was, wenn man EREMITA hört, auch einschließt, einfach da weiterzumachen, wo AFTER endete. „Ja, diese Aussage war vielleicht eher irreführend. Nach sowas erwarten viele immer etwas heroisch anderes, einen radikalen Bruch“, lacht Ihsahn. „Wobei der Rahmen für dieses Album, also das Szenario, das der Musik zugrundeliegt, tatsächlich radikal anders ist als bei AFTER. Musikalisch hingegen schließt es ziemlich an das an, was ich auf dem letzten Album gemacht habe.“

Gerade die Freiheit, sich nicht neu erfinden zu müssen, beflügelte den 36-Jährigen. „Die ,Trilogie‘, also die ersten drei Soloalben, hatten vor allem die Aufgabe, für mich persönlich eine neue Metal-Plattform zu definieren. Ich hatte bei Emperor mehr und mehr das Gefühl, dass mir mein eigenes Kind aus dem Arm genommen wird und sich unter dem abstrakten Mantel einer ,Kultband‘ verselbstständigt. Deswegen begann ich mit THE ADVERSARY, mir den Heavy Metal wieder anzueignen – mit teils sehr traditonellen, Maiden-beeinflussten Riffs. ANGL und AFTER haben diesen Prozess abgeschlossen, indem ich mehr und mehr eigene Noten einbrachte und letztlich aus der Neudefintion für mich meinen neuen Stil entwickelte.“

Während AFTER, so Ihsahn, vor allem die cinematografischen Aspekte seiner Musik herausstellte, sei EREMITA „introvertierter und psychologischer. Die Stimmung des Albums ist wie ein Film Noir, ein Mann auf der Flucht vor etwas Unausgesprochenem – es hat ein Gefühl vager Bedrohung.“ Ihsahn beginnt grundsätzlich mit einem derartigen, meist ziemlich abstrakten Drehbuch im Kopf. „Darauas ergibt sich die Palette, mit der ich die Songs komponiere“, erklärt er. „Ich möchte Alben erschaffen, die Abwechslung bieten, schnelle und langsame Songs, extrem technische und eher simple, aber dabei als Ganzes zusammengehören. Um dieses kreative Ziel zu erreichen, ist so ein Scrapbook, ist diese Festlegung auf ein bestimmtes Szenario, enorm hilfreich.“

Interessant ist auch der eigentliche Kompositionsprozess. Ihsahn gilt als einer der innovativsten modernen Gitarristen – aber das „Gitarrenheldentum“ verkneift er sich in seinem Studio konsequent: „Ich schreibe alles auf der Gitarre, aber bis zu den abschließenden Aufnahmen benutze ich für die Gitarre einen MIDI-Klaviersound. Die Idee dahinter ist folgende: Wenn das Material auch in diesem Gewand Atmosphäre und Dynamik hat, muss es funktionieren.“ Es sei eben Kompositionsarbeit – durch aus im klassischen Sinn: „Nicht umsonst haben klassische Komponisten immer ein Klavier. Auf ihm hört man Akkordstrukturen einfach am besten und man kann beurteilen, ob die Grundstruktur eines Songs etwas taugt. Natürlich ist es verlockend, schon beim Song- schreiben die expressiven Elemente, die man mit der E-Gitarre erzeugen kann, als tragenden Teil eines Songs einzubauen aber es ist auch sehr gefährlich, weil sich das Besondere an ihnen oft nur schwer rekonstruieren lässt. Insofern bevorzuge ich einen cleanen Kompositionsprozess und lasse mich dann gehen, wenn diese Kompositionen zum dem werden, was schließlich auf der CD landet.“

 

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