Joe Bonamassa_02_2014_credit Rick GouldSeit er die Lunte des Blues-Booms entzündete, stand der Superstar wider Willen nie wieder still. Hier ist unser Leitfaden zu seinem luxuriösen Blues-Output.

Die Jahrtausendwende war ein überraschender Schlüsselmoment des Blues-Revivals, doch Joe Bonamassa galt damals nicht gerade als Führungspersönlichkeit. Aber während die Hipster-Medien der sehnig-verschrobenen Coolness von Jack White und seinem Lo-Fi-Getöse zu Füßen lagen, baute Bonamassa seinen Stand auf: ein Blues-Forscher aus dem Bundesstaat New York, gänzlich ohne Ego, dessen Vorstellung eines Supermodels eine ’59er Les Paul war. Technisch war er unfehlbar, doch dieser etwas knittrige, großgewachsene Saitenheld war zunächst nicht leicht zu vermitteln. „Ich dachte wirklich nicht, dass jemand mit dem Nachnamen Bonamassa jemals berühmt sein würde“, erinnert sich Produzent Kevin Shirley an seinen ersten Eindruck. „Ich weiß noch, wie ich ihm eine E-Mail schickte: ‚Joe, du siehst aus wie ein verdammter Penner‘.“
Es sollte der Beginn einer wundervollen Beziehung werden. Als Shirley 2006 für YOU & ME ins Boot geholt wurde, hatte er ein paar Vorschläge parat und ermutigte den Gitarristen, seine Band zu feuern, seine Schuhe zu polieren und vor allem seine unnahbare Selbstdarstellung aufzugeben. Stattdessen sollte er seine Stimme als Songwriter finden. „Ich dachte, wenn er etwas Besonderes sein wollte, dann musste er die Regeln brechen.“
Und so fingen sie an. Passend für einen Mann, dessen neues Anzug-und-Sonnenbrillen-Bühnenimage wie ein Bluesrock-Terminator wirkte, war Bonamassa in den 00er-Jahren absolut gnadenlos. Er tourte mit masochistischem Eifer, war bei endlosen Nebenprojekten als Gast zu hören und lieferte jedes Jahr Alben ab, deren Verkaufszahlen ebenso stiegen wie ihre Qualität. Als am 4. Mai 2009 Eric Clapton in der Royal Albert Hall auf die Bühne kam, um sich mit dem Mittdreißiger auf ›Further On Up The Road‹ zu duellieren, konnte man ganz klischeefrei davon sprechen, dass hier ein Staffelholz übergeben wurde.
Aber ganz ähnlich wie bei Clapton kommt auf jedes „Gott“-Graffiti (oder dessen Online-Äquivalent) jemand, der es auf ihn abgesehen hat. Bonamassa sei der größte Plagiator, sagen einige, während andere bemängeln, er habe den Blues zu weit über die vorgeschriebenen zwölf Takte gedehnt. „Die Gegenreaktion?“, sagte der Gitarrist 2013. „Die gibt es schon. Ich gehöre zu den Musikern, über die man am meisten streitet.“
In dieser überaus produktiven Karriere gab es natürlich auch Fehltritte. Doch in seinem Katalog finden sich auch Momente, in denen er über den Status des reinen Gitarrenhelden hinauswächst und dem Genie gefährlich nahe kommt.
Hier nun also das Beste von Bonamassa – zum gegenwärtigen Zeitpunkt 2015, denn man weiß ja, wie schnell sich das bei ihm ändern kann. Wie es Kevin Shirley passend ausdrückt: „Er wird nie aufhören.“