rolling stonesIn einem knappen halben Jahrhundert hat sich so manches angesammelt. Geniestreiche, Mittelmäßiges, Kuriositäten und Durchhänger. Wir nennen sie beim Namen.

Eines vorweg: In ihrer Frühzeit schossen die Stones vor allem mit Kaliber 45, Singles waren im Pop-Biz der Mittsechziger das Maß aller Dinge. Wer Großtaten wie ›Satisfaction‹ und ›Paint It Black‹ hübsch verpackt und klanglich auf dem neuesten Stand genießen möchte, der tut das vorzugsweise mit der gerade veröffentlichten CD-Box GRRR!, optional erhältlich mit 40, 50 oder 80 Tracks, aber immer inklusive der neuen Songs ›Doom And Gloom‹ und ›One More Shot‹.

Überschaubare 22 Studioalben und 16 Live-Mitschnitte haben die Rolling Stones in ihrer britischen Heimat veröffentlicht, doch das tatsächliche Angebot ist um ein Vielfaches größer. Autor Dieter Hoffmann, der in seinem „Weißbuch“ alle Stones-Tonträger (samt Bootlegs) aus Großbritannien, den USA, Deutschland und Japan auflistete, füllte damit bereits im Jahr 1991 telefonbuchverdächtige 576 Seiten. Erst seit Ende 1967 erscheinen Stones-Alben in internationalen Ausgaben, davor kochte jedes Land sein eigenes Süppchen. Und dann war da noch Stones-Manager Allen Klein, der nach seinem Rauswurf den Markt mit allerlei seltsamen Compilations flutete, um seine Ex-Arbeitgeber zu ärgern. Aber wie dem auch sei: Es sind jene 22 Studioalben, die den Werdegang der dienstältesten Rockband dokumentieren – und nebenbei ein erhellendes Licht auf die Entwicklung der Popkultur werfen. Denn auch, wenn die Stones grundsätzlich eine bluesbasierte Rockband sind, ließen sie sich stets vom jeweils herrschenden Zeitgeist inspirieren. Was bisweilen Großes hervorbrachte, manchmal aber auch in die Hose ging. Bei aller Kritik ist ihnen ein Verdienst jedoch nicht hoch genug anzurechnen: Sie waren es, die aus den Urzutaten Blues, R&B, Rock’n’Roll, Country und Beat das noch heute gültige Grundrezept einer modernen Rockmusik kreierten, die über das Ausdrucksspektrum von Muddy Waters und Chuck Berry weit hinausging. Weshalb nach mehr als 50-jährigem Bestehen eines ganz sicher fällig ist: eine tiefe Verbeugung.