Nile, WillieBorn in the USA.  

Wenn ein Album AMERICAN RIDE heißt und der Künstler auf dem Cover-Artwork auch noch vor einem chromsatten Pickup-Truck älterer Bauart posiert, dann erwartet man fast automatisch typisch amerikanischen Working-Class-Rock, vorgetragen mit mehr oder minder dezenter Macho-Attitüde — doch damit tut man Willie Nile zutiefst Unrecht. Der Mann, der von Kollegen und Insidern traditionell geschätzt, von der breiten Masse aber leider ebenso traditionell ignoriert wird, ist keiner, der mit ausgeblichenem Baumwollhemd und fleckiger „GMC Trucks“-Mütze die Weiten der staubigen Landstraße preist, sondern ein New Yorker Stadtmensch, der mit dem Dutzend Songs von AMERICAN RIDE reflektiert und klug dem oft widersprüchlichen Wesen seines Heimatlandes und dem Geist des Rock’n’Roll nachspürt. Musikalisch zwar konventionell, aber beileibe nicht langweilig, textlich zumeist erfreulich klischeearm, ganz ohne den im Singer-Songwriter-Genre so beliebten Overkill an Metaphern, dafür geradlinig und unmissverständlich. Gutes Album von einem Künstler, der wesentlich mehr Zuspruch verdient hätte.