Wolfmother LiveAuf die Zwölf

Beim Karrierestart im Jahr 2000 schon polarisierte die australische Formation Wolfmother mit Nachdruck die Gemüter. Ein Umstand, der in seiner stoischen Hartnäckigkeit an die Langzeitüberlebenden Uriah Heep zu ihren Glanzzeiten erinnert. In bedingungslose Befürworter und vehemente Gegner spaltet seither das neuerdings zum Quintett aufgestockte Bandvehikel um Vokalist, Gitarrist, Komponist und Bandgründer Andrew Stockdale. Ungeniert bedient sich das facettenreiche Konzept von Wolfmother beim angloamerikanischen Rock-Status-Quo der Ära von 1969 bis 1974: Led Zeppelin, Black Sabbath, Deep Purple, Pink Floyd, Aerosmith und T. Rex – irgendwie müssen sämtliche Rockikonen aus jener Zeit als Blaupause herhalten.

Durchweg enthusiastisch reagiert das überwiegend jugendliche Publikum auf seine favorisierten Helden im proppevollen Offenbacher Capitol. „This show is officially sold out. So it’s just Wolfmother and you – no one else”, blökt Andrew Stockdale zum Auftakt voller Selbstbewusstsein vertrauensselig ins Mikrofon und schüttelt wie ein Rennpferd vor dem Start seine üppige Afromähne, bevor er unmittelbar Taten folgen lässt. Mit manischem Rockriff und Stockdales schriller Stimme beschwört ›Woman“ die Vorzüge der vielseitigen Damenwelt. Von da an befindet sich das Wah-Wah-Gerät im Dauereinsatz. Hingebungsvoll röhrt sich der Frontmann durch die famosen Hymen ›Dimension‹, ›New Moon Rising‹ und ›Cosmic Egg‹.

In rund zwei Stunden führen Schlagzeuger Hamish Rosser, Rhythmusgitarrist Vin Steele, Bassist und Keyboarder Ian Peres sowie Elliott Hammond an Perkussion und Orgel durch ein Arsenal an Attitüden, Posen und Klangimpressionen, die es braucht, um die Vergangenheit für die Gegenwart aufzubereiten. Johann Sebastian Bachs „Toccata“ fungiert als Orgel-Intro. Stockdale packt die doppelhalsige Gibson SG aus – schließlich spielte Jimmy Page auch mal so ein Angebermodell. Elliott Hammond, letzter Band-Neuzugang, der immer wieder hingebungsvoll das Tanzbein schwingt und auch noch seine Congas bearbeitet, bläst gleich mehrmals eine scharfe Blues-Mundharmonika. Mit aller Kraft, Inbrunst und Intensität hauen Wolfmother auf die Zwölf.