last 2Gegen Ende der 1960er Jahre suchte Bandleader James Last nach einem neuen Bassisten. Waltraut, die Ehefrau des Orchesterdirigenten, wählte die Nummer von Benny Bendorff und fragte, ob er Zeit habe. „Sie müssen sich verwählt haben, ich bin alter Rock‘n‘Roller“, sagte der Mann mit dem auffälligen Markenzeichen am Bass: Er hatte einen dicken Fuchsschwanz zwischen Bundstab und Sattel befestigt. Doch Last war überzeugt, den richtigen gefunden zu haben. Überhaupt war er für seinen großen Erfindungsreichtum bekannt. Im Jahr 1971 lotste er einen weiteren Hard-Rocker ins Ensemble. Peter Hesslein kam als Gitarrist, der bei Lucifer’s Friend spielte und das Debüt-Album DAS ERSTE MAL von Marius Müller-Westernhagen produziert hatte. Mit echten Hardrockern wehte im James Last Orchester plötzlich ein anderer Wind, auf den Tanzmusik-Alben wurden immer öfter Rock-Klassiker veröffentlicht, etwa ›Children Of The Revolution‹ von T-Rex oder eine besonders verschrobene Version von Hawkwinds ›Silver Machine‹. Space Rock im Polka-Sound, das war schon etwas Besonderes. 1972 erschien NONSTOP DANCING 2, und das Album begann nicht mit einer Nummer von Freddy Quinn oder einer Volksmusik-Weise. Nein, ›Fireball‹ von Blackmore & Co. war der Opener und die Tom-Fill-Ins von Last-Drummer Barry Reeves waren ähnlich elegant wie die des Originals. Auch ›Black Night‹ von Deep Purple war schon 1970 eine feste Größe im Programm. „Es ist immer eine große Ehre, wenn ein Musiker ein Stück von dir covert“, sagt Ian Paice, „wenn es dann noch James Last ist, umso schöner. Ich habe mal in Schottland einen Fanclub von ihm kennengelernt, das sind wirklich fanatische Leute und echte Musik-Liebhaber.“ Für James Last hat der Schlüssel zur Musik eine einfache Devise: „Mit wenigen Takten, manchmal sogar nur mit einem einzigen Akkord müssen Gefühle und Stimmungen ausgedrückt, oder gezielt Effekte gesetzt werden. Diese Art von Arbeit kommt meinem natürlichen Gefühl für Musik sehr entgegen.“ Der gelernte Kontrabassist hält außerdem den Rekord in der Royal Albert Hall: Er ist dort bis heute 87 mal aufgetreten, das wird wahrscheinlich niemand einholen. „Mein Vater ist bis heute sehr gern in London“, sagt Ron Last über seinen Papa, der ihn seit Jahren auf Tour begleitet. „Er geht immer wieder durch die Plattenläden. Dort kennt man ihn auch und meist stecken sie ihm irgendwelche CDs und Schallplatten zu und sagen ihm, dass er das unbedingt hören soll. Das macht er dann auch, im Hotel legt er in ohrenbetäubender Lautstärke irgendwelche wilde Punk-, Rap- oder Heavy-Metal-Musik auf, das ist manchmal kaum auszuhalten“, so der Sohn über den berühmten Vater, der am 17. April 85 Jahre alt geworden ist.