Nick-MasonPunk meets Pink Floyd

Im Sommer 1977 standen eine ganze Batterie von talentierten Punk-Bands im Fokus, die auch in anderen musikalischen Bereichen auf Interesse stießen. „Wir nahmen das zweite Album auf“, sagt The-Damned-Drummer Rat Scabies im Rückblick über Music For Pleasure, „und unser Bassmann Captain Sensible wollte, dass wir Syd Barrett als Produzent bekommen. Aber als wir ins Studio gingen stand da Nick Mason, der Drummer von Pink Floyd.“ Der Liebhaber von Oldtimern und historischen Rennwagen erledigte den Job am Mischpult nicht zur vollsten Zufriedenheit der Punk-Rocker. „Wir hatten uns das anders vorgestellt“, so Rat Scabies, der sich eine größere psychedelische Schlagseite wünschte: „Es sollte mehr nach den Electric Prunes klingen. Nick Mason schaffte es zwar, uns so klingen zu lassen, wie wir waren – aber wir hätten eine fettere Produktion gebraucht.“ Captain Sensible ergänzt: „Es stand die Idee im Raum, Jimmy Page als Produzenten für dieses Album zu holen, was eine wesentlich bessere Idee gewesen wäre, als Mason zu engangieren. Syd Barrett wäre die erste Wahl gewesen, Jimmy Page die zweite. Doch Barrett tauchte natürlich nicht auf.“ Damned-Gitarrist Brian James findet in der Rückschau drastische Worte: „Unterm Strich war die Produktion richtiger Schrott. Wenn ich es mir heute anhöre, ist es allerdings nicht so schlecht, wie ich es in der Erinnerung hatte.“ Diese Meinung wird von Cpt. Sensible relativiert: „Als die Tür aufging und plötzlich Nick Mason hereinkam, waren alle von den Socken. Wir hätten ihn nicht rausschmeißen können.“ Denn der Aufnahmeort war das Britannia Row Studios im Londoner Westen, welches Pink Floyd gehörte. Diese Produktionsstätte wurde von der Band nach den Aufnahmen von WISH YOU WERE HERE aufgebaut. „Mason war kein unangenehmer Zeitgenosse“, so Sensible, „doch lagen wir nicht auf der selben Wellenlänge.“ Verständlich, denn der Pink- Floyd-Drummer produzierte ansonsten gänzlich andere Musik. Zum Beispiel Alben der englischen Folk-Pantomimen-Truppe Principal Edwards Magic Theatre oder das Solo-Album ROCK BOTTOM des ehemaligen Soft-Machine-Trommlers Robert Wyatt. Doch die unterschiedliche Auffassung von Musik war nicht das eigentliche Hauptproblem. Im Rückblick fällt noch etwas anderes in Gewicht, denn der Band ging es zu diesem Zeitpunkt wirtschaftlich extrem schlecht: „Wir waren alle total abgebrannt“, sagt Cpt. Sensible, „und fuhren jeden Tag schwarz mit der Bahn nach Fulham und erzählten unserem Produzenten ‚Hey Nick, ich wäre fast von einem Kontrolleur erwischt worden und hätte mich fast mit ihm geprügelt.’ Mason ließ das kalt und sagte: „Ich bin übrigens mit meinem Ferrari da.“